»Die Autoritären von heute sind oft clowneske Gestalten, an denen Kritik abperlt. Warum? Ein wenig Dialektik der Aufklärung gegen die denkfaule These von der allgemeinen Regression. «
Mladen Gladi (WELT):
Leseempfehlung zur Leipziger Buchmesse (Das sind die besten Bücher für den Frühling , WELT, 23. 03. 2025)
»Vladimir Safatle ist einer der wichtigsten Theoretiker unserer Zeit. Seine Schriften sind Interventionen zu Gegenwartsfragen, die neue Perspektiven auf unsere Gesellschaft und auf uns, die dadurch geformten Subjekte, eröffnen. Seine Zeitdiagnose ist resolut negativ, aber niemals pessimistisch. Immer erkennt er noch im dunkelsten Verblendungszusammenhang Möglichkeiten, wie wir aus diesem entkommen könnten. Seine Verbindung von Lacan und Adorno mit einem guten Schuss von Hegelscher Dialektik erhellt immer die verzwickte gesellschaftliche und individuelle Lage, in der wir uns finden; und das zugleich auf mehreren Ebenen. Es lohnt sich immer, Safatle zu lesen, und es lohnt sich besonders, sein neuestes Buch, Zynismus und das Scheitern der Kritik, zu lesen. «
Prof. Fabian Freyenhagen,
University of Essex
»In einer Reihe mit Freuds
Massenpsychologie und Ich-Analyse und Lacans Arbeiten über die kollektive »logische Zeit« stehend, schafft es Safatle, einen unschätzbaren Raum des Denkens und der politischen Intervention zu eröffnen. Hier verbindet sich die psychoanalytische Einsicht in die grundlegende, aber stets verleugnete Spaltung des Subjekts mit der Analyse jener besonderen Formen der Entfremdung ein Begriff des Marxschen Vokabulars, den Safatle erfrischend bejaht , denen die Subjekte im politischen Sinne unterworfen sind. Beide, Leugnung der Spaltung und Ausbeutung der Entfremdung, lassen sich mit demselben Wort des »Zynismus« belegen.
Zynisch ist die gesellschaftlich-ökonomische Gesamtordnung, die uns alle vereinzelt zu Zynikern macht. Als sei das stumpfe »Es ist wie es ist« tatsächlich der Wahrheitsspruch unserer Zeit. Ohne Gespür für eine Alternative will der Zynismus auf die Verkennung seines Unglücks einpferchen, um sich so immer weiter genießen zu können. Dieses Buch aber bringt dies fehlende Gespür zum Sprechen, und mit denkerischer Libido wird die Kritik zu einer lustbesetzten Praxis. «
Marcus Coelen, Psychoanalytiker, Ludwig-Maximillians-Universität München
»Mit Hegel setzt [Safatle] darauf, dass es darum geht, den Aufbruch in die moderne Gesellschaft philosophisch zu begründen, und mit der Frankfurter Schule betrachtet er die Dialektik der Aufklärung als fragilen Prozess, der keinesfalls einen sicheren Fortschritt garantiert. Deshalb steht er auch der späteren Linie, die einen demokratischen Lernprozess in herrschaftsfreiem Diskurs für möglich hielt, nicht nur skeptisch gegenüber, sondern konfrontiert sie mit Theorien vor allem französischer Provenienz, wobei er die psychoanalytische Perspektive Lacans in den Mittelpunkt rückt. «
»[ ] von einer Vernunft, die sich an überzeugenden Idealen orientiert, hin zu einer zynischen Vernunft, die sich ironisch auf ihre normativen Grundlagen bezieht und damit paradoxerweise eine disparate Situation stabilisiert. «
»Die Analyse mündet in ein Fazit, das eine Nähe zu Adorno manifestiert: Theorie sollte sich auf Negativität als Grund für ein Bewusstsein der Ausweglosigkeit vorhandener Rezepte konzentrieren. Ein wirklicher Neuanfang kann nur von einem globalen Proletariat ausgehen, das seine zunehmend aussichtslose Situation nicht mehr durch Rekurs auf hergebrachte Traditionen und Institutionen, sondern mit einem abgrundtiefen Glauben an die Möglichkeit eines Aufbruchs in eine unbekannte Zukunft beendet. «
Rezension von Michael Hauffen in
springerin
, Heft 3/2026