Ein Roman über das Schreiben, die Liebe und den Mut von Frauen, die ihren Platz in der Welt suchen. Anne Handorf ist das Pseudonym von Carla Grosch und Volker Jarck, die beide in der Buchbranche tätig sind. Ihr gemeinsames Debüt entstand über 564 Kilometer Entfernung hinweg.
Worum gehts genau?
September 2005: Noch vier Wochen bis zur Wahl der ersten Kanzlerin, und Bestsellerautorin Vera Albach will ihr letztes Buch beenden ein Versprechen an ihren Mann Leo. In Rückblenden erfahren wir, wie sie in den 1960er-Jahren als junge Frau in einer männerdominierten Verlagswelt Fuß fasst, mit Heftromanen beginnt und sich langsam einen Namen macht. Es ist eine Geschichte über das Altern, über Liebe auf Augenhöhe und über eine Frau, die schreibt. Unbeirrt, unermüdlich, getragen von Humor, Disziplin und dem unerschütterlichen Glauben an sich selbst.
Meine Meinung
Dieses Buch hat mich wirklich überrascht, im allerbesten Sinn. Ich habe die Lektüre erst ein wenig vor mir hergeschoben, dann hat sie mich völlig gepackt. Es könnte so einfach sein ist ein Roman, in dem man sich sofort zu Hause fühlt: warm, leise und gleichzeitig voller Leben.
Mit feinem Humor, aber auch mit melancholischen Zwischentönen, zeichnet Handorf das Bild einer Zeit, in der Frauen zwar unentbehrlich waren, aber kaum eigene Stimmen hatten. Die Rückständigkeit einer Welt, die nach dem Krieg wieder von Männern besetzt wurde, wird mit spürbarer Sanftheit, aber großer Klarheit beschrieben. Besonders stark fand ich die Szenen, in denen Vera sich gegen männliche Verleger behaupten muss: Der Leser da draußen verlangt nicht nach Büchern von Frauen. Ende der Diskussion. (S. 84) Und trotzdem schreibt sie weiter, Schritt für Schritt, bis sie ihren eigenen Namen auf einem Buchcover sieht.
Die wechselnden Zeitebenen zwischen Vergangenheit und Gegenwart geben der Geschichte Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Ich mochte, wie sich beide Zeitschienen am Ende berühren und zeigen, dass das Ringen um Selbstbestimmung nie aufhört. Themen wie Familienbande, Geschwisterbeziehungen, Freundschaft, Altern und weibliche Selbstverwirklichung verweben sich zu einem fein gezeichneten Generationenporträt.
Frauen können, wollen und sollen alles sein dürfen, was sie sich wünschen. (S. 240), dieser Satz bringt die Essenz des Romans auf den Punkt. Es geht nicht um Rebellion, sondern um Gleichberechtigung im Kleinen: um Respekt, Vertrauen und das Recht, Entscheidungen zu treffen, sei es im Beruf, der Ehe oder den Wunsch nach (oder gegen) Kinder.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr zugänglich. Besonders gefallen hat mir der liebevolle Dialogwitz zwischen Vera und Leo. Man spürt, dass hier zwei Autor:innen schreiben, die Menschen verstehen. Die Mischung aus Ernst, Leichtigkeit und Zeitkolorit erinnert an gute alte Familienromane, aber mit einem modernen, feministischen Blick.
Fazit
Ein feinfühliger, lebenskluger Roman über Frauen, die schreiben, lieben und ihren Weg gehen. Perfekt für alle, die Geschichten mit Herz, Haltung und historischem Tiefgang mögen. Wer nach lautem Feminismus sucht, wird hier eher leise überrascht, aber genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Danke an lovelybooks.de und den C.Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar.