Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin. Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht ihre und Johanns kleine Tochter.
Der Schreibstil liest sich sehr locker und leicht, die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin und ich wollte in jeder freien Minute wissen wie es weitergeht! Das Buch ist aus Sicht von Elise und Johann geschrieben, aber auch die Sicht der Baronin von Rienäcker kommt im Buch vor und dies fand ich anfangs ungewöhnlich, hat mir dann aber so gut gefallen, dass es in meinen Augen sogar die interessantesten Passagen waren! Die Personen-egal ob sympathisch oder weniger- wurden alle sehr gut gezeichnet und handeln immer authentisch. Und eine solche Antagonistin in einem Roman, die so viel Tiefe mitbringt, das erhält man auch selten.
Das Buch ist aber auch wegen seines interessanten Themas, dem genossenschaftlichen Bauen sehr interessant. Man erlebt sehr nah und lebendig die Wohnungsnot der Menschen damals mit und muss als Leser schon ein paar mal schlucken wenn man über die Zustände liest. Aber auch ausserhalb dem Bereich Wohnen und mieten erkennt man immer wieder wie mächtig die Reichen damals waren und das für die andere Gesetze geherrscht haben als für die Menschen in Armut. Man lernt damalige Gesetze kennen auch wenn sich nicht alle daran halten und erhält einen guten Gesamtüberblick über die Stadt Berlin und seine Menschen in der damaligen Zeit.
Es gibt immer wieder überraschende Wendungen mit denen man so nicht gerechnet hat, das Ende ist mir in manchen Dingen ein klein wenig zu unrealistisch und zu "Happy" aber das darf es bei einem Roman ja auch mal sein.
Auf jeden Fall ein ganz toller historischer Roman, den man nur weiterempfehlen kann! Authentische und tiefe Charaktere, eine spannende Handlung und das interessante Thema genossenschaftliches Bauen machen den Roman einzigartig und wunderbar zu lesen. Große Leseempfehlung von mir!