Gestaltung:
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Optisch ist das Buch klasse! Die Schrift ist golden schimmernd, auf dem Titelbild die Clique von Josh und eine Skizze des Himmelsseglers. Im Innenteil befindet sich eine Karte des alten London um 1851 und die Seiten wirken durch leichte Grauschleier an den Rändern historisch alt. Dazu das passend grüne Lesebändchen und das Ganze als Hardcover: ein Schmuckstück im Bücherregal!
Inhalt:
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Der Waise Joshua "Josh "Jackelby ist einer der "Waterloo Boys" und hat keine feste Bleibe. Er übernachtet mit den anderen im Londoner Bahnhof und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Tageszeitungen. Dabei träumt er davon, eines Tages genug Geld zu haben, um sich ein Pferd zu kaufen oder zumindest als Bote der Königin auf einem reiten zu können. Eines Tages beobachtet er, wie ein Welpe geschlagen, in einen Sack gesteckt und in der Themse ersäuft werden soll. Ohne nachzudenken stürzt er dem Sack hinterher und rettet den Hund. Von nun an wird die Hündin "Hazel" zu seiner treuen Freundin und Begleiterin.
Als er zusammen mit seinen Freunden Charlotte und Leroy Kohle ausliefert, finden sie einen überfallenen Professor, dem seine neue Erfindung, ein Fluggerät namens Himmelssegler gestohlen wurde. Sie helfen ihm und versuchen zusammen mit Joshs Freund, dem Arzt Doktor Snow, die Verbrecher zu finden. Doch sie ahnen nicht, wie mächtig und gefährlich diese sind und befinden sich zunehmend in Lebensgefahr.
Mein Eindruck:
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Ich habe das Buch mit meiner 12-jährigen Tochter gemeinsam gelesen. Durch die Karte erhielten wir direkt einen Überblick über das alte London und tauchten auch sofort in der Handlung in dieses ein. Jedes Kapitel beginnt mit den "Extrablatt"-Ausrufen mit den Schlagzeilen des Tages von den Zeitungsjungen. Das versetzte einen direkt in die Zeit, man konnte historische Bezüge herstellen und war neugierig auf den darauf folgenden Inhalt.
Die Geschichte ist sehr spannend erzählt. Es gibt immer wieder neue Spuren und Verdächtige, und erst am Ende wird klar, wie alles zusammenhängt. Zudem erhält man einen sehr tiefen und realistischen Einblick in das Alltagsleben der damaligen Zeit. Vor allem die Unterschiede zwischen Arm und Reich werden immer wieder deutlich. Vielen Kindern ging es damals nicht so gut und Kinderrechte, wie wir sie heute kennen, waren gänzlich unbekannt. Der Autor bemüht sich, die Umstände nicht zu brutal zu schildern, aber er zeigt auch die nicht so schönen Seiten auf, wie z. B. den Einsatz von Messern bei Bandenkämpfen oder die teils brutale Behandlung der Polizei von Kindern. Für uns war das Maß an Details genau richtig. Ich finde es auch wichtig, Kindern der heutigen Zeit das damalige Leben vor Augen zu führen und dass viele Dinge, die heute selbstverständlich sind, es nicht immer waren.
Ebenso werden die Seiten von Sklaverei und Kolonialismus aufgezeigt, als Josh sich mit einer Inderin anfreundet, die gemeinsam mit ihrem Bruder vor ihrem "Herrn" geflohen ist.
Josh war uns sehr sympathisch. Trotz seiner Armut hat er sein Herz am rechten Fleck und setzt sich so weit möglich für andere ein. So rettet er die Hündin vor dem Ertrinken, hilft Verletzten und arbeitet nebenher als Patientenbetreuer für Doktor Snow. Außerdem findet er, dass man Gewalt nicht mit Gegengewalt beantworten darf.
Auch seine Freunde Charlotte und Leroy waren uns sympathisch, ebenso wie Doktor Snow, der seinen Reichtum und Einfluss zugunsten anderer nutzt, denen es nicht so gut geht. So gibt er Josh einen Nebenjob und lässt ihn manchmal auch bei ihm übernachten, und er versorgt Patienten ohne Bezahlung.
Über all dem schwebt der Geist eines neuen Zeitalters. Der Professor hat ein Fluggerät erfunden, eine damals unvorstellbare Maschine. Die Beschreibung der Technik und der ersten Flüge war interessant und abenteuerlich zu lesen.
Bei allem Abenteuer und Spannung blieb aber auch der Humor nicht auf der Strecke. Gerade in sehr actionreichen Szenen sorgte Charlottes oder Leroys trockener Humor immer wieder für auflockernde Lacher bei uns. Generell ist dem Autor eine gute Balance zwischen den drei Elementen gelungen. Auch das Ende fanden wir überzeugend.
Allein die vielen Druckfehler/Wortfehler haben uns manchmal das Lesen verleidet. Hier war das Lektorat leider nicht gründlich.
Im aufschlussreichen Nachwort erfährt man noch etwas über die historischen Hintergründe und dass Doktor Snow auf einer real existierenden Person beruht.
Insgesamt haben wir es jedoch sehr bedauert, von Josh und seinen Freunden Abschied nehmen zu müssen. Auch wenn die Story abgeschlossen ist, würden wir uns auf ein Wiedersehen sehr freuen!
Fazit:
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Gelungene Mischung aus Abenteuer, Spannung, Freundschaftsgeschichte, historischen Fakten und Humor im London des 19. Jahrhunderts