Die Witwe Else Lauer muß im Jahr 1914 das Weingut Rosenhof in Freiburg allein weiterführen, weil ihr einziger Sohn Julius in den Krieg mußte. Sie bietet nebenbei auch Pensionszimmer an. So kommt die Lazarettschwester Helene auf den Rosenhof. Die junge Frau träumt davon, Ärztin zu werden, aber ihr kontrollwütiger Ehemann verweigert ihr jede Unterstützung. Helene genießt deshalb die Freiheit, als ihr Mann an der Front ist. Dazu kommt die junge Pauline auf das Weingut. Sie hat vor dem Krieg in Paris als Schneiderin gearbeitet und ist mit dem Franzosen Andre verlobt. Als auch er in den Krieg ziehen mußte, ist Pauline als Deutsche in Paris nicht mehr sicher. Deshalb hat sie eine Stellung als Telefonistin in Freiburg angenommen. Dort will sie das Ende des Krieges abwarten. Die drei unterschiedlichen Frauen verbindet bald eine außergewöhnliche Freundschaft. Sie ahnen nicht, was die kommenden Jahre ihnen abverlangen werden.
In Priska Buchsbaums Roman "Der Rosenhof" wird der Erste Weltkrieg nicht nur aus der Sicht der kämpfenden Soldaten erzählt. Die Schicksale der vielen an Körper und Seele Verwundeten werden dort eindrucksvoll nacherzählt. Auch der mühsame Kampf der daheim gebliebenen Frauen um die Versorgung der Familie geht einem nahe, denn die Not ist Unvorstellbar. Die Autorin beschreibt dies alles in einem flüssigen und empfindsamen Schreibstil. Die Personen sind absolut glaubwürdig. Meine Favoritin ist Else. Mit ihrer etwas ruppigen Art kann sie die Leute nicht täuschen. Sie hat ihre Herz auf dem rechten Fleck. Wer sich vom Umfang des Buches nicht abschrecken läßt, bekommt eine zu Herzen gehende Geschichte geboten, die gar nicht lang genug sein kann. Einfach wunderschön!