Darcy und Linus erlebten eine schwere Kindheit, nachdem sie ihre geliebten Eltern verloren hatten. Schuld daran tragen der frühere englische König und die Kronprinzessin, die inzwischen ihrem Vater auf den Thron gefolgt ist. Die Geschwister sind inzwischen Teil einer Crew von Trickbetrügern, genannt "The Robbin' Hood", die im Sinne ihres Namensgebers von den Reichen nimmt und den Armen hilft. Ihr nächster Coup soll allerdings nicht der Umverteilung von Besitz dienen, sondern ihr gigantisches Bedürfnis nach Rache an den Royals stillen. Denn die angekündigte Heirat von Kronprinz Spencer bietet die lang ersehnte Möglichkeit dafür. Doch wird ein Coup gegen das Königshaus so einfach durchzuführen sein?
Lena Kiefer hat mit "Royal Heist" den spannenden Auftakt ihrer neuen Trilogie geschrieben. Wie gewohnt, gelingt es ihr mühelos, die Leser zu fesseln.
Die äußerst talentierte Trickbetrügerin Darcy hat sich die Identität einer verarmten Adligen, Davina McLean, angeeignet und bemüht sich, den Kronprinzen für sich zu gewinnen. Sollte dies gelingen, wird Spencer ihr Zugang zum privaten Tresorraum der königlichen Familie in Hamilton Castle verschaffen. Dort lagert die "geheime Krone" aus dem 17. Jahrhundert, um die sich viele Mythen ranken und die als verschollen gilt. Sie wollen Darcy und "The Robbin' Hood" stehlen und damit einen Skandal auslösen, der den Royals nachhaltig schaden wird. Alles ist akribisch geplant. Darcy lernt Spencer kennen und weckt, wie erhofft, sein Interesse. Nicht geplant war dagegen, dass ihre Gefühle für Prinz Tristan, den Zweitgeborenen, nach all den Jahren noch immer vorhanden sind. Als Kinder waren Darcy und er die besten Freunde, während sich jetzt eine nahezu magnetische Anziehungskraft zwischen ihnen aufbaut ...
Die Erzählung wird aus den Perspektiven von Darcy und Tristan erzählt. Dadurch ist der Leser immer auf der Höhe des Geschehens, bzw. bekommt die Gefühle der Hauptcharaktere ungefiltert mit. Darcy hat auf mich zunächst wie ein Chamäleon gewirkt, was wohl zum Ausdruck bringen soll, dass sie laufend von einer Identität in die nächste schlüpft, ohne längere Zeit sie selbst zu sein. Sie entpuppt sich als reflektierte, empathische junge Frau, die sich weiter entwickelt und erkennt, dass sie zwar die Queen hasst, aber ihre Kinder nichts mit dem Skandal zu tun hatten, der sie betroffen hat. Tristan ist der gutaussehende bad boy, der tatsächlich ein sehr loyaler Familienmensch ist und seinen Bruder fast bis zur Selbstverleugnung schützt. Auch die übrigen Charaktere sind überzeugend und vielschichtig, allen voran der Kronprinz.
Lena Kiefer schreibt wie immer flüssig, bildhaft und fesselnd. Sowohl die Heists der "Robbin' Hoods" als auch das Leben der Royals wirkt glaubwürdig, obwohl es fiktional ist, Darcys und Tristans Kampf gegen die eigenen Gefühle überzeugt nachvollziehbar. Obwohl die Erzählung in Teilen vorhersehbar ist, hält der Spannungsbogen durchgehend und der gewohnt üble Cliffhanger am Ende sorgt dafür, dass der Leser dem nächsten Band entgegenfiebert. Auch neben der zentralen Frage, ob und wie es mit Darcy und Tristan weitergeht, bleibt noch anderes ungeklärt. Wo ist Darcys und Linus Mutter? Lebt sie noch? Was ist mit Tristans Vater? Wer hat das Aktbild der Queen in Auftrag gegeben und wer hat es zu einem hohen Preis gekauft?
Für den nächsten Band ist also genügend Stoff vorhanden. Freuen wir uns darauf!
4,5 Sterne