Cover & Klappentext
Das Cover entspricht nicht unbedingt meinem Geschmack. Auf den ersten Blick wirkt es überladen, was aber bei genauer Betrachtung gar nicht der Fall ist. Die Details unterscheiden sich zum Cover des ersten Bandes nur unwesentlich. Was hier mehr zum Tragen kommt, ist die Farbgebung. Das passt toll zu Fae Isle.
Der Klappentext war für mich weniger ausschlaggebend. Da ich erst vor Kurzem den ersten Teil gelesen habe, wollte ich nur wissen, wie es weitergeht.
Mit ein wenig Abstand macht er in meinen Augen allerdings nicht unbedingt neugierig. Vermutlich hätte ich ein kleines bisschen mehr verraten, um den Leser anzufixen.
Meinung
Nachdem Evie und ihre Schwester auserwählt wurden, bei den Fae zu leben, um den Frieden zu wahren, hat sich einiges getan. Es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, zu dem Fae-König statt Hass auch nur den Hauch von Zuneigung zu empfinden. Inzwischen ist sie mit einigen der Fae befreundet und ist interessiert an der fremden Kultur.
Kurz vor ihrer Hochzeit erklärt der Rat der Menschen ihre Verbindung für ungültig. Das Abkommen ist in Gefahr und es droht Krieg. Um das Unheil abzuwenden, versucht Evie die Wogen zu glätten, doch wie soll ihr das gelingen, wenn sie nicht weiß, worum es wirklich geht?
Wie schon zuvor verleiht auch hier Evie ihre Stimme und führt durch das Geschehen. Es ist unbedingt notwendig, den ersten Band zu kennen, da die Fortsetzung direkt darauf aufbaut, sodass es nahtlos weitergeht. Ich war anfangs etwas irritiert von der gesamten Geschichte. Im ersten Teil entdeckte ich noch diverse Schwächen bezüglich der Erzählweise, Worldbuilding, der Charaktere, des Schreibstils. Doch es verlor sich irgendwann unbemerkt in der Handlung. Das ist wirklich gut, denn damit beweist die Autorin, dass sie unterhalten kann.
In Band zwei wurden besagte Schwächen größtenteils ausgemerzt beziehungsweise man nimmt es als gegeben hin. Zumindest ging es mir so. Dementsprechend konnte ich mich gut auf die Handlung konzentrieren.
Natürlich hatte ich eine gewisse Vorstellung, wie es weitergeht, wurde aber dennoch manchmal überrascht, obwohl die Autorin gewisse unterschwellige Hinweise gibt, sodass der Leser im Prinzip schon misstrauisch gemacht oder sogar vorgewarnt wird. Das ist im Grunde schade, denn andernfalls wären deutlich mehr Twists vorhanden gewesen.
Den Schreibstil würde ich als solide beschreiben, jedoch mit Potenzial nach oben. Natürlich könnte es auch an der Übersetzung liegen, das vermag ich nicht zu beurteilen. Dennoch ist er flüssig und angenehm zu lesen, wirkt aber sehr reduziert. Gerade innerhalb einer fremden Welt hätte man mit Worten so viel machen können. Das Besondere fehlt einfach.
Das findet sich auch in den Spannungsspitzen, die in Band zwei zwar deutlicher herausgearbeitet wurden, aber nicht gerade ausgereizt wurden. Dadurch hätte man mehr Emotionen schüren können. Das hat leider nicht immer geklappt.
Auch das Tempo war nicht immer passend gewählt. Es gibt ein paar Längen und einige unnötige Wiederholungen, was natürlich ein langsameres Tempo begünstigt.
Die Hauptprotagonisten wiederum, so unzugänglich ich sie im ersten Teil fand, haben mich in der Fortsetzung überzeugt. Es kommen hier sogar noch einige Charaktere hinzu. Andere lernt man intensiver kennen. Das hat mir gefallen. In der Trilogie steht zwar Evie im Vordergrund, die eine gute und glaubwürdige Entwicklung durchmacht, ohne ihr wahres Wesen zu verlieren, aber auch die anderen gehen nicht unter.
Trotz der genannten Kritik hat die Story etwas an sich, was mich anspricht. Wenn man die Schwächen ignoriert, bleibt letztendlich eine mitreißende Intensität übrig, der man sich kaum entziehen kann.
Fazit
Der zweite Band hat es als Zwischenteil gemeinhin oftmals schwer. Manchmal werden Hintergründe erklärt, ohne dass die Handlung vorankommt. Das ist hier jedoch nicht der Fall. In meinen Augen wurde sogar der Spannungsanteil erhöht, während nach wie vor das Thema Toleranz deutlich mitschwingt.
Meiner Vermutung nach dürfte Band drei alles toppen.
Daher vergebe ich vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung. Die Geschichte hat definitiv eine Chance verdient.