Nachdem die Hexe Angrboda zum dritten mal verbrannt wurde, setzt sie sich in den unwirtlichen Eisenwald ab. Sie erinnert sich, dass ihr Name zuvor Gullveig lautete und dass die Verbrennung eine Strafe des Gottes Odin war, da sie sich weigerte, ihm die Zukunft vorherzusagen. Verletzt und allein trifft sie in den Tiefen des Waldes auf Loki, der Angrboda nicht nur ihr Herz zurück bringt, sondern sich auch kurzerhand zu ihrem Freund erklärt. Immer wieder sucht der unbeständige Loki, der unter den Göttern und Riesen als hinterlistiger Täuscher bekannt ist, die Nähe der Hexe, bis sich ihre Gefühle zu einer intensiven Liebe steigern. Im Lauf der Zeit entstehen daraus drei Kinder, Hel, die einmal die Unterwelt regieren wird, der Wolf Fenrir und die Schlange Jörmungandr. Durch ihre Magie weiß Angrboda, dass diesen Nachkommen eine große Rolle in der Prophezeiung von Ragnarök vorbestimmt ist, doch als liebende Mutter wird sie alles tun, um sich dem Schicksal entgegen zu stellen.
"The Witch's Heart - Das Verhängnis" von Genevieve Gornichec ist eine Neuerzählung der Geschichte der Hexe Angrboda, von der ich (mit meinen zugegebenermaßen eher rudimentären Kenntnissen der nordischen Mythologie) bisher noch absolut nichts gehört hatte. Vielleicht war das im Hinblick auf das Leseerlebnis nicht unbedingt ein Nachteil, denn ich konnte mich ohne irgendwelche Vorkenntnisse oder Erwartungen in die Handlung sinken lassen. Anfangs fand ich den eigenwilligen, unaufgeregten Schreibstil ein wenig sperrig, doch es dauerte gar nicht lange, bis ich mich daran gewöhnt hatte und Angrbodas Alltag fasziniert begleiten konnte. Wer sich in dieser Hinsicht unsicher ist, dem empfehle ich vorab eine Leseprobe, um zu sehen, ob man mit der Schreibweise und der fehlenden Unterteilung in Kapitel warm wird.
Wie es bei Mythologien häufig der Fall ist, habe ich die Figuren eher distanziert wahr genommen, durch Angrbodas lange sehr gleichmütig scheinendes Wesen wirkte sie auf mich emotional recht zweidimensional, auch dem undurchschaubaren Loki, der sich sporadisch bei ihr sehen ließ, konnte ich zunächst nicht wirklich nahe kommen. Und dennoch gelang es der Autorin, Momente seiner Verletzlichkeit einzufangen, wodurch er nicht nur die Hexe sondern auch mich für sich einnehmen konnte. Damit gewann auch Angrboda im meinen Augen an Tiefe, so dass ich ihre Gefühle ab dem zweiten Teil greifbarer fand. Insgesamt hat mich dieser Roman trotz des stellenweise beschaulichen Tempos durchgehend gefesselt, dafür spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.
Fazit: Mit meinem recht knappen Wissen über die nordische Mythologie war Angrboda für mich eine ganz neue Figur, Übereinstimmungen und Abweichungen zur Originalgeschichte kann ich daher nicht beurteilen. Trotz der dauerhaft unaufgeregten Schreibweise hat mich das Leseerlebnis gefesselt und fasziniert, so dass ich dieses Buch gern weiter empfehle.