Es ist bekannt, "dass der Ozean keine von uns getrennte Einheit, sondern ein integraler Teil unserer Existenz ist." Daher ist es bewundernswert, dass sich so viele Menschen und Organisationen schon für den Schutz der Meere einsetzen. OCL ist eine davon. Und wer könnte von der Schönheit der Meere besser berichten als genau jene Menschen, denen diese blauen Tiefen so sehr am Herzen liegen?
In eindrucksvollen Bildern und Schilderungen haben die beiden Gründer von Ocean Culture Life (OCL), Matt Porteous und Tamsin Raine, eine Auswahl an Geschichten unterschiedlichster Autoren frisch aus dem ewigen Blau der Ozeane gesammelt, um uns jene wunderschönen Facetten der Meere zu zeigen, die es zu bewahren gilt und die nicht für jeden so einfach zugänglich sind.
So nimmt das Buch (geografisch nach den Ozeanen gegliedert) seine Leser mit auf eine Weltreise und taucht mit ihnen in eindrucksvolle Momente ein.
Bei dem Tauchgang durch den Atlantischen Ozean trifft der Leser so z.B. auf Pottwale bei den Azoren (geschildert von Javi García), schwimmt zusammen mit Nadine Bauer durch die Cenoten der Yucatán-Halbinsel (Mexiko), sieht zusammen mit Catherine Cushenan die Riesen der Meere (Silver Bank, Dominikanische Republik) oder bestaunt mit Garce Bailey Makrolebewesen (Jersey Kanalinseln).
Der Indische Ozean erwartet die Leser u.a. mit Berichten und imposanten Bildern zu den Lederschildkröten, den Riesensepien, den Haien der Aliwal Shoal, den Rochen der Malediven und dem größten Saumriff Australiens. Die Geheimnisse des Meeresschildkrötengrabs werden ebenso beleuchtet wie das Miyaru-Projekt oder die Tauchbasis der Insel Fuvahmulah. Natürlich darf hier ein Ausflug zum Great Barrier Reef und nach Hawaii nicht fehlen.
Das Kapitel "Der Pazifische Ozean" überzeugt mit weiteren Kurzgeschichten. Ob Zackenbarsche oder Riffhaie, Guadalupe-Seebär oder Weiße Haie, tausende von Teufelsrochen (die eine schwimmende Wolke bilden) oder die Nahaufnahme eines Buckelwal-Auges, schwebende gelbe Korallen vor dem blauen Nichts oder sich emporreckende Fingerkorallen ... Die Geschichten und die Ästhetik der Bilder sprechen auch hier für sich.
Die Tiefsee selbst erhält durch Carissa Cabrera und Shane Gross eine eigene Betrachtung, da sie immerhin 90 % der Meeresumwelt ausmacht und dennoch immer noch größtenteils unbekannt ist.
In jedem Buchabschnitt bereichert facettenreiches Wissen die Lektüre, wie Mia Stawinskis Schilderungen über die freundlichen Dugongs oder Marcus De La Hayes Eindrücke über die Korallenriffe des Roten Meers. Alle Autoren finden dabei die richtigen Worte, um auf Gefahren, aber auch auf die Hoffnung hinzuweisen. So ist hier zu lesen, wie seit über einem Jahrzehnt MARRS gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften eine gemeinschaftsgetragene Methode für die Restaurierung beschädigter Korallenriffe voranbringt. Und so wurden schon 90.000 Riffsterne mit über 1.300.000 Korallenfragmenten an 40 Standorten verbaut.
Dazwischen erfährt der Leser immer wieder Verblüffendes, wie dass Blauhaie verspielt sind oder wie Tümmler und Thunfische sich den Menschen auch zunutze machen. Und alle Kurzgeschichten vermitteln dabei einen ganz individuellen und häufig bewegenden Eindruck.
Die begleitenden Aufnahmen sind dabei von hervorragender Qualität und zeigen so häufig den "passenden Moment", dass man sich gut vorstellen kann, wie ausdauernd und geduldig die Fotografen nicht nur bei den Aufnahmen, sondern auch bei der Auswahl der Fotografien vorgegangen sind. Ob ein Seestern, der als Anhalter auf einer Karettschildkröte mitschwimmt, gigantische Blauwahlaufnahmen oder kleine wie farbenfrohe Meeresschnecken, die unglaublichen Fetzenfische oder eine Gruppe ruhender Weißspitzen-Riffhaie Die stimmungsvollen Aufnahmen sind so gelungen, dass sie einen direkt in den Moment hineinziehen. Sei es die perfekte Fotografie eines "Sternenhais" (Walhai) vor der schwarzen Tiefe, Riffmantas (die scheinbar direkt auf einen zuschwimmen), die putzige Aufnahme eines Zwerg-Seepferdchens oder die immer wieder beeindruckende Fluke (Schwanzflosse) eines Wals beim Abtauchen. Auf jeder Seite bezaubern die Meere auf eine andere Weise. So auch bei meiner Lieblingsaufnahme (auf S. 10). Ein schattenhafter Taucher läuft am Meeresgrund entlang und über ihn schwimmt friedlich ein Tigerhai dahin. Einfach beeindruckend.
Was ich an diesem Buch wirklich schätze: Es legt häufig den Fokus auf die Dinge, die schon gut laufen und auf all die tollen Menschen und Projekte, welche die Meere unterstützen, was meiner Meinung nach einen unglaublich bestärkenden Effekt hat.
Fazit: Das Buch ist eine Hommage an die Ozeane der Welt und führt uns gekonnt vor Augen, für was sich der Schutz der Meere lohnt. Die beiden Autoren haben gut gewählte Geschichten und Bilder aus der Tiefe geholt und sie mit eindrucksvoller Intensität in ein Buch gepackt, um sie zu teilen. Und so reist der Leser einmal durch die Meere, in einem Bildband, in dem sich mahnende Worte mit hoffnungsvollen Stimmen zusammen zu einem vielseitigen Bild zusammenfügen.