Mit Die Spatzenmorde von Onikobe erscheint ein weiterer Kriminalroman von Seishi Yokomizo erstmalig in deutscher Sprache. Das japanische Original stammt aus dem Jahr 1959 und spielt in Japan in der Nachkriegszeit. Meisterdetektiv Kosuke Kindaichi will sich eine Auszeit gönnen und reist in das Bergdorf Onikobe in der Präfektur Okayama. Dort will er Inspektor Isokawa besuchen. Auf Empfehlung seines Freundes bucht Kindaichi ein Zimmer im Gasthaus der Witwe Rika Aoike, deren Ehemann Genjiro 20 Jahre zuvor ermordet wurde. Der Mord wurde nie aufgeklärt. Dann verschwindet der Ortsvorsteher, und es gibt ein neues Mordopfer, das in einer skurrilen Position aufgefunden wird. Kindaichis Auszeit ist beendet, bevor sie richtig angefangen hat. Die beiden Freunde beginnen mit den Ermittlungen. Es geschehen weitere Morde, die alle mit einem Kinderlied zu tun haben, das von Kindern gesungen wird, wenn sie mit den Temaribällen spielen. Isokawa und Kindaichi befragen die Mitglieder von fünf Familien, die zum Teil miteinander verfeindet sind. Die Ermittlungen gestalten sich langwierig und schwierig, und Täter und Motiv sind lange nicht erkennbar.
Ich habe das Buch gern und mit großem Interesse gelesen, vor allem, weil der Krimi Einblick in die japanische Kultur gewährt, zum Beispiel durch das Temarilied. Für mich war es allerdings schwierig, bei der Vielzahl der Figuren mit den fremden japanischen Namen nicht den Überblick zu verlieren. Es gibt viele Verbindungen der Personen untereinander. Da hilft nur, Stammbäume zu erstellen und immer wieder die Liste der Figuren zu konsultieren. Es ist dennoch eine sehr empfehlenswerte Lektüre.