Hach ja, was soll ich über dieses Buch sagen? Wie bewertet man ein autobiografisches Werk? Das ist gar nicht so einfach. Einerseits ist es ohne Frage mutig und stark, so offen über die eigene paranoide Schizophrenie zu schreiben und sich damit der Öffentlichkeit zu zeigen. Das rechne ich dem Autor hoch an. Sprachlich ist das Buch stellenweise auch schön geschrieben, teilweise reflektiert und bewusst gewählt.
Andererseits hat mich das Buch als Ganzes leider nicht überzeugt. Es ist für mich nicht gut strukturiert und auch nicht besonders gut erzählt. Wir folgen mehreren Akten, die jeweils einzelne Tage im Leben des Autors abbilden sollen. Das wirkte auf mich jedoch eher fragmentiert als zusammenhängend und hat keine wirkliche Geschichte ergeben. Mir fehlte ein roter Faden. Das gewählte Format erscheint mir insgesamt zu hoch gegriffen, ich hätte mir eine klarere, erzählerische Form gewünscht.
Auch das zentrale Thema bleibt trotz Erklärungen erstaunlich schwer greifbar. Die paranoide Schizophrenie wird beschrieben, aber ich hatte dennoch das Gefühl, sie nicht wirklich zu verstehen. Gleichzeitig habe ich den Autor selbst kaum kennengelernt. Oft konnte ich seinen Gedankengängen nicht folgen. Der Autor wirkt auf mich eher selbstbezogen und selbstgerecht, was es mir zusätzlich erschwert hat, eine Verbindung zu ihm aufzubauen.
Besonders störend fand ich die Dialoge, vor allem die Gespräche mit der Psychiaterin. Sie wirken extrem gestellt und künstlich reflektiert, denn so reden Menschen im echten Leben einfach nicht miteinander. Das fühlt sich eher nach nachträglicher Selbstanalyse an als nach authentischen Momenten aus der Situation heraus.
Ein wichtiges Thema, ohne Frage. Mutig und offen. Aber für mich leider erzählerisch schwach und emotional erstaunlich fern.