Sylt steht für Weite, Wind und das Gefühl, nach schweren Verlusten irgendwann wieder atmen zu können. Genau diese Mischung aus Trauer, Erinnerung und vorsichtigem Weitergehen hatte ich mir auch von diesem Roman erhofft.
Die Inselschwestern Meerwasserherzen begleitet Marina Hansen nach dem Unfalltod ihres Mannes zurück ins Leben. Die emotionale Ausgangslage ist stark angelegt. Trauer, Verantwortung für ihre Tochter Lisa und die Frage, ob eine neue Liebe überhaupt erlaubt sein darf, bilden eigentlich ein tragfähiges Fundament für eine berührende Geschichte.
Allerdings nehmen die Handlungsstränge rund um Marinas siebenjährige Tochter sehr viel Raum ein. Ganze Passagen wirken dadurch ausgedehnt und bremsen den Erzählfluss spürbar. Ich habe mich dabei ertappt, Abschnitte nur noch zu überfliegen, weil die Handlung kaum vorankam und mich emotional nicht mehr erreicht hat.
Das im Klappentext angedeutete Geheimnis wird erst ganz am Ende kurz aufgelöst und verliert nahezu sofort wieder an Bedeutung. Während Nebensächlichkeiten ausführlich erzählt werden, fehlt es ausgerechnet den zentralen Spannungsmomenten an Tiefe und Gewicht.
Auch Oliver bleibt als männlicher Hauptcharakter überraschend blass. Gerade hier hätte eine zweite Perspektive viel bewirken können. Eine wechselnde Sicht zwischen Marina und Oliver hätte der Beziehung mehr Dynamik, Nähe und Glaubwürdigkeit verliehen.
Über weite Strecken entsteht dadurch ein eher belangloser Eindruck. Inhalte wiederholen sich, echte Entwicklung bleibt lange aus und das erwartete emotionale Knistern zwischen den Protagonisten stellt sich kaum ein. Die Geschichte fließt ruhig dahin, manchmal zu ruhig.
Und dennoch gibt es Momente, die berühren. Die leisen Töne darüber, nach einem schmerzhaften Verlust wieder nach vorne zu schauen, neuen Lebensmut zu finden und eine neue Liebe überhaupt zuzulassen, gehören zu den stärkeren Seiten des Romans.
Ein wirklicher Lichtblick ist der Nebenstrang rund um Marinas Schwestern. Hier zeigt sich erzählerisches Potenzial für die Reihe. Besonders die Geschichte von Isis und Chris weckt Interesse und macht neugierig auf die kommenden Bände. Dieser Teil hat für mich deutlich mehr emotionale Spannung getragen und ist der Grund, der Reihe noch eine zweite Chance geben zu wollen.
Fazit:
Ein ruhiger Syltroman zum Abschalten, der schöne Ansätze besitzt, sich jedoch über lange Strecken zäh liest und kaum Spannung oder romantisches Knistern entwickelt.