Rina Kent gehört für mich zu den Autorinnen, bei denen ich ziemlich genau weiß, welche Vibes mich erwarten - und genau deshalb war ich auch auf "Beautiful Venom" neugierig. Somit fühlt sich der Einstieg auch vertrauter an: ein flüssiger, leicht lesbarer Stil, der einen schnell in die Story zieht und die Seiten fast von allein umblättern lässt - wenn auch diesmal nicht durchgehend.
Gestalterisch finde ich das Buch sehr ansprechend. Gerade der Farbschnitt mit der Schlange und den Eishockey-Elementen passt richtig gut zur Story und wirkt stimmig. Insgesamt macht das Buch optisch schon etwas her.
Inhaltlich bewegen wir uns klar im Dark-Romance-Bereich: intensiv, leicht toxisch, voller Machtspiele und dunkler Dynamiken. Die Grundidee rund um Geheimorganisationen, Loyalitäten und Intrigen fand ich spannend angelegt.
Dahlia mochte ich als Protagonistin recht gerne - sie ist nicht leise, nicht angepasst, sondern zieht ihr Ding durch und wirkt dabei selbstbewusst. Kane hingegen ist der Inbegriff eines klassischen Dark-Romance-MMCs: attraktiv, gefährlich, mit ordentlich Ballast aus der Vergangenheit. Ganz klar kein Green-Flag-Material - aber das ist in diesem Genre ja auch nicht gerade üblich. ;D
(Bitte die Triggerwarnungen beachten - ab 18 steht nicht ohne Grund auf einem Buch.)
Die Dynamik zwischen den beiden konnte mich allerdings lange Zeit nicht komplett abholen. Die Anziehung ist da, die Tension ebenfalls, aber emotional hat mir vor allem im ersten Teil des Buches etwas gefehlt - fast ein bisschen fiebertraumartig alles
Was ich tatsächlich etwas schade fand: Das Eishockey-Setting blieb für meinen Geschmack zu sehr im Hintergrund. Gerade hier hätte ich mir mehr Eis, mehr Sport und mehr Einbindung ins Geschehen gewünscht.
Der Plot selbst ist eher solide als überraschend. Einige Entwicklungen konnte man kommen sehen, und das Buch erfindet das Genre nicht neu. Trotzdem hat es mich nicht wirklich gelangweilt - auch wenn es zwischendurch Längen gab, an denen das Tempo ruhig hätte angezogen werden können. Die Spice-Szenen sind vorhanden, teils recht explizit, was natürlich Geschmackssache ist - wer Rina Kent kennt, weiß wie sie die Szenen schreiben kann.
Positiv überrascht hat mich dann doch aber wieder das Ende - interessant gelöst und hat mir dann doch insgesamt besser gefallen, als der Mittelteil.
So unterm Strich war "Beautiful Venom" für mich ein gutes, aber kein herausragendes Dark-Romance-Buch. Es bietet genau das, was man von Rina Kent erwartet: Atmosphäre, toxische Dynamiken und Drama - hier mit Luft nach oben, vor allem was Tiefe, Tempo und das Hockey-Setting betrifft was andere Dark Romance-Titel auch gut hinbekommen.
Ich würde gute 3,5 von 5 Sternen vergeben und Band 2 werde ich definitiv lesen, sobald er erscheint - in der Hoffnung, dass dort noch etwas mehr raus geholt wird.