Ein kleines, perfektes Leben bis es plötzlich in sich zusammenbricht. "Die Verratene" von Jill Childs spielt gekonnt mit genau diesem Szenario: Idyllische Kleinstadt, glückliche Familie, Sonnenschein und dann zieht das Unheil einfach nebenan ein.
Ros ist eine Figur, die man sofort greifen kann. Bodenständig, liebevoll, mit einer Vergangenheit, die sie am liebsten für immer begraben hätte. Und dann steht plötzlich Lotte vor der Tür, die Frau, der Ros einst im Urlaub ihr größtes Geheimnis anvertraut hat. Ganz nach dem Motto: Was auf Reisen passiert, bleibt auf Reisen. Nur leider funktioniert das in dieser Welt nicht.
Die Story entwickelt sich angenehm rasant, ohne überzogen zu wirken. Es ist kein klassischer Thriller mit wilden Wendungen im Minutentakt, sondern eher ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, das schleichend unter die Haut geht. Der Sog entsteht durch die ständige Frage: Was ist damals wirklich passiert und wie weit wird Ros gehen, um es zu verbergen?
Childs schreibt dabei modern, zugänglich und mit einem guten Gespür für emotionale Spannung. Die Charaktere sind nicht makellos und gerade das macht sie interessant. Lotte bleibt bis zuletzt undurchschaubar, und man schwankt ständig zwischen Mitleid und Misstrauen.
Es ist ein Buch für Leser:innen, die psychologische Spannung mit Tiefgang mögen. Kein Action-Feuerwerk, aber ein raffiniert erzähltes Drama mit Thriller-Elementen, das zeigt: Das wahre Böse kommt oft leise und manchmal zieht es direkt nebenan ein.