Jane Austens "Verstand und Gefühl" entfaltet die Geschichte der Schwestern Elinor und Marianne Dashwood, deren gegensätzliche Temperamente - kontrollierte Vernunft und leidenschaftliche Empfindsamkeit - an Liebe, Erbschaftsrecht und gesellschaftlicher Erwartung geprüft werden. In präziser, ironisch geschärfter Prosa verbindet Austen den Roman der Empfindsamkeit mit einer nüchternen Analyse der englischen Gentry um 1800. Der literarische Reiz liegt in der feinen Dialogführung, der moralischen Ambivalenz der Figuren und der Kritik an ökonomischen Zwängen, die weibliche Lebensentwürfe begrenzen. Jane Austen, 1775 in Hampshire geboren, kannte die sozialen Codes, Heiratsstrategien und Abhängigkeiten des ländlichen Bürgertums aus eigener Anschauung. Als Tochter eines Geistlichen bewegte sie sich in jenem Milieu, das sie zugleich beobachtete und satirisch durchdrang. Ihre unverheiratete Stellung, ihre genaue Kenntnis familiärer Netzwerke und ihr Sinn für die Verletzlichkeit von Frauen ohne Vermögen bilden den Erfahrungshorizont, aus dem dieser Roman erwuchs. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die nicht nur eine elegante Liebesgeschichte suchen, sondern eine kluge Untersuchung von Gefühlskultur, sozialer Macht und moralischer Selbstbildung. "Verstand und Gefühl" bleibt ein grundlegender Text der englischen Romantradition: unterhaltsam, analytisch scharf und erstaunlich modern in seiner Frage, wie man in einer ungerechten Welt verantwortlich liebt.