Robert W. Chambers' Der König in Gelb ist eine 1895 erschienene Sammlung lose verbundener Erzählungen, deren berühmteste Stücke um ein verbotenes Theaterstück kreisen: Wer dessen zweiten Akt liest, gerät in den Bann von Carcosa, Hastur und einer metaphysischen Verunsicherung, die Wahnsinn, ästhetische Ekstase und moralischen Zerfall ineinanderblendet. Stilistisch verbindet Chambers fin-de-sièclehafte Dekadenz, symbolistische Andeutungskunst und frühe Weird Fiction; der Schrecken entsteht weniger durch Erklärung als durch Lücken, wiederkehrende Zeichen und eine Atmosphäre kultivierter Unheilbarkeit. Chambers, 1865 in Brooklyn geboren, studierte Kunst in Paris und war zunächst als Illustrator tätig, bevor er sich der Literatur zuwandte. Seine Vertrautheit mit bohemienhaften Künstlerkreisen, französischer Ästhetik und den Ängsten der Jahrhundertwende prägt dieses Buch sichtbar. Aus diesen Erfahrungen formte er eine Prosa, in der Malerateliers, Salons und urbane Modernität zu Schauplätzen geistiger Infektion werden. Dieses Buch empfiehlt sich allen Lesern, die die Ursprünge des modernen kosmischen Horrors verstehen möchten. Lange vor Lovecraft zeigt Chambers, wie ein einzelnes imaginäres Kunstwerk ganze Wirklichkeiten vergiften kann: elegant, beunruhigend und von nachhaltiger literarischer Wirkung.