Nachdem zuletzt vor allem Neuauflagen von Abby Jimenez den Buchmarkt überschwemmt haben, gibt es mit The Night We Met tatsächlich aktuellen Nachschub und ich fand es im Nachwort dann sehr interessant, dass das Buch ursprünglich vor Say Youll Remember Me erscheinen sollte. Ja, das sind so die kleinen, ehrlichen Infos, die eine Autorin dann auch sehr nahbar machen, denn nicht jedes Buch geht so leicht von der Hand, wie man es sich wünschen würde. Aber auch Bücher, an denen man lange sitzt, können echte Herzensprojekte werden, wie ist es bei The Night We Met?
Ich muss sagen, dass The Night We Met für mich sehr komplex und schwierig gestartet ist, um dann gerade im letzten Viertel aber einen absoluten Sog zu entfalten. Das hat mich schon länger darüber nachdenken lassen, wo es vielleicht für Jimenez gehakt hat und ob ich vielleicht genau die Stellen dann so holprig fand. Wissen werde ich es nicht. Das Erste, was mich aber sehr gestört hat, das ist eigentlich der Titel gepaart mit dem Inhalt. Es ist schon klar, worauf der Titel anspielt, aber im Grunde wird diese Nacht nie wirklich erzählt. Stattdessen bekommen wir nur von beiden Hauptfiguren, Chris und Larissa, erzählt, was da war und wie es gelaufen ist, aber es wird uns nicht als die bedeutungsvolle Nacht inszeniert, wie es der Titel hätte vermuten lassen. Die Nacht war bedeutungsvoll, denn ja, sie hat die Geschichte völlig verändert und für beide genannte Figuren etwas entstehen lassen, was sie sich in der folgenden Zeit gerne anders gewünscht hätten, aber genau deswegen wäre ich in dieser Nacht gerne intensiv dabei gewesen.
Das Zweite, was mich doch arg genervt hat, das ist definitiv der Hund. Es passiert extrem selten, dass ich in Literatur dargestellte Tiere nicht leiden kann, aber hier war es soweit. Ich fand diesen Hund viel zu extrem, ich fand die beschriebenen Szenen zu ihm und seiner Art oft regelrecht ekelhaft und wie die Figuren dann auch noch entspannt und mit Lachen darauf reagiert haben, nein, das fand ich nicht schön. Ja, es ist alles Natur, aber im domestizierten Bereich kann es doch anders laufen. Und ich muss einfach sagen, dass solche Szenen für mich nicht in ein solches Buch passen. Anderes Genre und ich hätte es wohl anders aufgenommen. Dann ist für die Contra-Seite noch zu nennen, dass es einige sehr seltsame Figuren in diesem Buch gibt und es sind wieder mal zwei Mutterrollen. Also man kann echt zur Annahme kommen, dass Jimenez ein Mutterkomplex hat, weil bei ihr viele Mütter sehr extrem und seltsam sind. Hier waren es dann vor allem Larissas Mutter und die von Mike. Letztere hatte eine doch sehr kleine Rolle, aber ich habe mir sie weit weg gewünscht. Larissas Mutter wiederum war für mich irgendwo zwischen Wärme und Wahnsinn. Sie ist sehr wichtig für Larissa und wie sie Beziehungen für sich definiert, aber die Frau war manchmal so furchtbar ichbezogen, nur um dann doch wieder sinnvolle Einschätzungen abzugeben. Aber das waren alles zusammengenommen Faktoren, die mich doch lange nicht so richtig haben einsteigen lassen, vor allem auf der emotionalen Ebene nicht.
Mit der Liebesgeschichte sind wir im Freundeskreis von Xavier und Chris, Mike und Jesse sowie Becca haben wir natürlich schon kennengelernt. Da es in Say Youll Remember Me aber viel in Kalifornien spielte, war es jetzt cool, diese Freundesgruppe besser kennenzulernen. Mike ist da sicherlich der, der die komplexeste Charakterentwicklung bekommt. Ich fand das stark, weil er beispielsweise im Gegensatz zu Larissas Mutter mehr Profil hatte. Ich habe ihn oft weggewünscht und verurteilt, aber er war so dominant in der Handlung, dass ich sehr viel zu ihm gelernt habe. Zudem ist er existentiell wichtig dafür, wie sich die Liebesgeschichte von Larissa und Chris entwickelt. Wäre er nur eine von beiden Seiten gewesen, dann hätte ich das Buch an die Wand gepfeffert, aber so war er sehr entscheidend, dass ich am Ende Frieden gefunden habe. Denn Bro Code, Girl Code, das ist ein Thema, was man doch eher selten liest, weil man sich daran echt die Finger verbrennen kann. Ich bin auch ein sehr loyaler Mensch, aber ich bin auch oft bei dem Motto dabei was das Herz will, das will es. Die Balance dazwischen wurde hier anschaulich erzählt und zum Glück war die Chemie von Larissa und Chris auch so stark, denn ich wollte den Erhalt der Freundesgruppe genauso wie das Happyend für die beiden. Dementsprechend war irgendwann der Sog da, denn ich musste unbedingt wissen, wie Jimenez das löst und sie hat es gut gelöst.
Fazit: The Night We Met hat für mich zwei Gesichter. Gerade am Anfang habe ich an ungewöhnlichen Stellen eingehakt. Einiges war falsch gewichtet, ein Tier hat mich in den Wahnsinn getrieben und auch sonst gab es zu viele unsympathische Zeitgenossen. Aber letztlich waren es die Thematik, die sensible Art von Jimenez und die Chemie zwischen Chris und Larissa, die mich doch mitgerissen haben.