Alfred North Whiteheads "Wissenschaft und moderne Welt" ist eine ebenso historische wie metaphysische Untersuchung der Entstehung moderner Naturwissenschaft. Ausgehend von der mathematischen Revolution des 17. Jahrhunderts verfolgt Whitehead die geistigen Voraussetzungen von Mechanik, Materialismus und experimenteller Methode bis zu Relativitätstheorie und neuer Physik. Sein Stil verbindet gelehrte Ideengeschichte, präzise Begriffsanalyse und spekulative Weite; im Kontext der Zwischenkriegszeit erscheint das Werk als Korrektur eines reduktionistischen Weltbildes. Whitehead, ursprünglich Mathematiker und gemeinsam mit Bertrand Russell Autor der "Principia Mathematica", brachte eine seltene Doppelkompetenz in dieses Buch ein: technische Vertrautheit mit formaler Wissenschaft und philosophische Sensibilität für ihre unausgesprochenen Voraussetzungen. Seine Lehrtätigkeit in Cambridge, London und Harvard sowie die Umbrüche der modernen Physik führten ihn zu der Überzeugung, dass Natur nicht als tote Materie, sondern als Prozess, Ereignis und Zusammenhang gedacht werden müsse. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Wissenschaft nicht nur als Sammlung von Ergebnissen, sondern als kulturelle und metaphysische Kraft begreifen wollen. Es eröffnet einen anspruchsvollen Zugang zu Whiteheads Prozessdenken und bleibt für Wissenschaftsphilosophie, Ideengeschichte und Gegenwartsdebatten über Technik, Natur und Wirklichkeit von bemerkenswerter Aktualität.