Cover & Klappentext
Aufgrund der Farbgebung hat das Cover meine Aufmerksamkeit geweckt, obwohl es ansonsten nicht ganz mein Fall ist. Allerdings kommt es wie immer auf den Inhalt an. Und der Klappentext lässt in dieser Hinsicht ein spannendes Abenteuer erwarten.
Meinung
Vorab, es ist weniger Fluch der Karibik, sondern mehr Downton Abbey.
Im westlichen Meer wird die Lightbringer der Piratenfamilie Oberon von Nightweavern angegriffen. In dieser Nacht verliert Aster nicht nur ihren Bruder Owen, sondern auch ihr Zuhause. Kurz bevor sie gehängt werden, verspricht ihnen der Nightweaver Will Schutz und Arbeit auf seinem Anwesen.
Während Aster den Mörder ihres Bruders sucht, muss sie erkennen, dass es schlimmere Monster als die Nightweaver gibt, was aber nicht heißt, dass man ihnen vertrauen kann. Oder?
Man wird sofort in die Geschichte geworfen, beginnend mit der Schlacht auf der Lightbringer, dem Schiff, was dem Clan der Oberons als Zuhause dient. Die Familie verliert in der Nacht nicht nur einen Bruder beziehungsweise Sohn, sondern auch ihr Heim und beinahe ihr Leben.
Aster erkennt, dass die Geschichten, die ihre Eltern ihr erzählt haben, mit vielen Lücken behaftet sind. Gerade ihr Vater und ihre Mutter wirken auf mich lange Zeit undurchsichtig. Aber der Fokus liegt ganz klar auf Aster, die wohl als Einzige dem neuen Leben auf dem Anwesen der Nightweaver skeptisch gegenübersteht. Ihr sehnlichster Wunsch ist den Tod ihres Bruders zu rächen und schnellstmöglich zu verschwinden. Doch merkwürdige Dinge passieren auf dem Castor-Anwesen. Der Tod geht um. Nicht nur das ist der Grund, warum Astor sich entscheidet zu bleiben, um ihre Familie zu schützen, sondern auch der gut aussehende Will Castor.
Aster bringt viel Heldenpotenzial mit. Sie ist stur, durchsetzungsfähig und lässt sich nichts gefallen vermutlich bedingt durch ihr Leben als Piratin. Das Problem hierbei ist nur, dass man von ihrem Piratenleben nichts weiter erfahren hat. Es wird erwähnt, dass sie getötet hätte, aber das ist beinahe kaum vorstellbar, wenn man sie und ihre Familie etwas besser kennenlernt.
Das gerät in den Hintergrund aufgrund der Ereignisse bei den Castors und dem verbotenen Näherkommen von Will und Aster. Doch ganz gleich, wie viel Zeit die Autorin für die beiden aufgewendet hat, um zu verdeutlichen, dass sie Gefühle für einander entwickeln, konnte diese angehende Romanze nicht bei mir punkten. Es wirkte durch die vielen Geheimnisse etwas unglaubwürdig.
Zum Glück bringen der Prinz von Eerie und Captain Shade neuen Wind in die Story.
Der Schreibstil ist geprägt von Schachtelsätzen, die, wenn man nicht aufpasst, so viel Aufmerksamkeit auf sich lenken, dass der Inhalt untergeht. Das ist mir phasenweise passiert, zumindest in Szenen, die überwiegend aus Beschreibungen bestehen. Dadurch entstehen einige Längen, die das Lesevergnügen schmälern. Doch ansonsten ist der Schreibstil geschmeidig.
Die Stärke der Geschichte sind die Charaktere, die sehr unterschiedlich sind und gleichzeitig viel Entwicklungsspielraum mitbringen, der teilweise schon genutzt wurde. Zudem ist auch der Leser gefragt. Die brutalen Morde sorgen dafür, dass eigene Überlegungen angestellt werden. Und nicht zuletzt einige Twists, wobei die meisten jedoch bei mir kaum zündeten. Da gibt es noch Spielraum nach oben.
Trotz einiger Längen gibt es auch eine Menge an spannenden Szenen, die regelrecht fesseln und das Tempo nach oben treiben, immer abgelöst von entspannteren Momenten. Das hat mir richtig gut gefallen, da ein zu rasanter Roman die emotionalen Abschnitte ignoriert. Das ist hier nicht der Fall.
Das Ende wiederum hat mich etwas verwirrt zurückgelassen, wobei ich davon ausgehe, dass Band zwei mehr Licht ins Dunkel bringen wird.
Fazit
Diese Geschichte ist wahrlich außergewöhnlich, und das ist nicht nur so dahingesagt. Gerade anfangs glaubt man zu wissen, womit man zu rechnen hat, doch es ist tatsächlich ganz anders. Allein dafür verdient die Autorin ein großes Lob.
Trotz einiger Schwächen hat mich Band eins überzeugt, sodass ich die Fortsetzung sehnsüchtig erwarte.
Ich vergebe dreieinhalb von fünf Sternen, runde aber auf knappe vier auf, sowie eine Leseempfehlung.