"Ein stilles Mädchen" ist ein Kriminalroman von Karin Fossum, erschienen bei Saga Egmont, gesprochen von Frank Stieren. Es ist mein erstes Buch der norwegischen Bestsellerautorin. Im Zentrum steht das Verschwinden eines Kindes und ein Ermittler, der sich durch ein Geflecht aus Schmerz, Schuld und unausgesprochenen Wahrheiten bewegt.
Ich bin mit bestimmten Erwartungen an dieses Hörbuch herangegangen: psychologische Tiefe, leise Spannung, ein Krimi, der mich völlig in den Bann zieht im besten Fall :D Und ja, atmosphärisch bringt Fossum vieles mit. Die Geschichte ist ruhig erzählt, stellenweise beklemmend, fast nüchtern. Gerade diese Zurückhaltung kann im Scandi Crime sehr wirkungsvoll sein.
Für mich ging dieses Konzept hier jedoch nicht auf. Die Spannung, auf die ich gewartet habe, blieb aus. Statt eines Sogs stellte sich zunehmend Frustration ein, weil zu viele Fragen offenblieben und zentrale Entwicklungen für mich nicht nachvollziehbar waren. Motive wirkten unklar, Entscheidungen teils unglaubwürdig, und ein echter Showdown blieb aus. Das Ende fühlte sich eher wie ein Abbruch als wie ein Abschluss an.
Was für andere Leser:innen vielleicht als literarische Offenheit funktionieren mag, hat mich leider eher frustriert. Ich konnte weder emotional noch gedanklich richtig andocken. Positiv hervorheben möchte ich jedoch die Hörbuchumsetzung: Frank Stieren passt mit seiner ruhigen, klaren Stimme sehr gut zum Ton der Geschichte und verleiht ihr Struktur, wo sie mir inhaltlich gefehlt hat.
Fazit
"Ein stilles Mädchen" ist ein ruhiger, psychologisch angelegter Krimi, der auf Atmosphäre statt Spannung setzt. Für mich blieb er zu offen, zu konstruiert und emotional zu distanziert.
Danke jedenfalls an netgalleyde und Saga Egmont für das Hörbuch-Rezensionsexemplar.