Das Forsthaus von Marika Neitz ist von Anfang bis Ende von einer fast erdrückenden Düsternis durchzogen. Der abgelegene Schauplatz, der Wald, das Haus, das alles wirkt kalt, feindlich und hoffnungslos. Atmosphäre kann die Autorin, keine Frage.
Auffällig sind die Figurenzeichnungen: Die männlichen Hauptfiguren erscheinen durchweg unsympathisch, dominant und oft schwer erträglich. Demgegenüber stehen Protagonistinnen, die voller innerer Konflikte stecken, gezeichnet von Problemen und meist die Leidtragenden der Handlung sind. Das verstärkt zwar die Härte der Geschichte, wirkt in der Häufung leider nur eindimensional.
Die Spannung trägt über weite Strecken, doch je weiter man liest, desto öfter schleicht sich das Gefühl ein, zu wissen, wohin die Reise geht. Vieles ist vorhersehbar, manche Eskalationen kommen nicht überraschend, sondern erwartbar. Der starke, beklemmende Aufbau kann das nicht immer auffangen.
Trotzdem bleibt Das Forsthaus ein intensiver, unangenehmer Thriller, der atmosphärisch überzeugt, inhaltlich aber nicht sein volles Potenzial ausschöpft.
Fazit: Sehr düster, stark inszeniert, aber zu berechenbar und in den Figuren zu einseitig.