Nachdem mich der erste Band dieser Dilogie schon völlig in seinen Bann gezogen hat, war klar, dass ich unbedingt wissen musste, wie Willows und Velands Geschichte weitergeht. Schon der Titel des zweiten Teils klingt nach Schmerz, Wahrheit und einer Spur Hoffnung. Und was soll ich sagen? Genau dieses Wechselspiel der Gefühle hat mich während des Lesens begleitet.
Gleich zu Beginn spürt man, dass die Luft knistert. Die Spannung, die Sehnsucht, die Angst.
Willow versucht noch immer herauszufinden, was wirklich mit ihrer Schwester passiert ist, und mit jedem Schritt in diese gefährliche Welt kommt sie sich selbst ein Stück näher. Ich habe ihre Zerrissenheit gespürt. Den Drang, Antworten zu finden, und gleichzeitig die Angst, an dieser Wahrheit zu zerbrechen.
Veland ist dabei ihr größter Konflikt. Er steht für Gefahr und Geborgenheit zugleich, für das, was sie nicht haben darf, aber nie vergessen kann. Diese Mischung aus Härte und Verletzlichkeit macht ihn zu einem Protagonisten, den man schwer bis garnicht einordnen kann. Ja, er ist Faszination pur. Zwischen Willow und Veland entsteht wieder diese unausweichliche Dynamik, die ich schon in Band 1 gespürt habe.
Der Perspektivwechsel zwischen Willow und Veland erlaubt es auch hier wieder, beide Seiten zu verstehen. Auch wenn man manchmal fassungslos den Kopf schüttelt, versteht man doch, warum sie tun, was sie tun. Die Rückblenden und Tagebucheinträge von Miley verleihen dem Ganzen eine zusätzliche emotionale Tiefe.
Die Autorin schafft es, Dunkelheit und Liebe so miteinander zu verweben, dass beides nebeneinander existieren darf. Ich habe mich zwischen den Seiten verloren, zwischen Macht und Moral, zwischen Schuld und Vergebung.
Und als ich die letzte Seite erreicht habe, blieb dieses leise Gefühl zurück, dass alles genau so sein musste. Dass Schmerz manchmal der einzige Weg ist, um Frieden zu finden. Und dass Vergebung kein Zeichen von Schwäche ist, sondern von Stärke.