Dita Zipfel spielt in ihrem Buch Es ist hell und draussen dreht sich die Welt mit der Sehnsucht und der Absurdität nach bzw. von Mutterschaft. Schon das vorangestellte Zitat: Frauen müssen mit der Möglichkeit einer Schwangerschaft leben von Rachel Cusk gibt den Pfad des Buches vor. Denn was ist mit denen, die niemals schwanger werden und liegt damit automatisch jegliche Verantwortung der Reproduktion bei den Frauen?
Das Buch ist flüssig geschrieben und es war leicht dranzubleiben. Das Cover hat einen realen Bezug zu der Geschichte, der gelbe Kanarienvogel ist von Bedeutung.
Es geht um zwei Paare, die gemeinsam in den Urlaub fahren. Dabei befinden sich die Paare an unterschiedlichen Lebenssituationen, das eine Paar, Malte und Linn, versucht zur Zeit schwanger zu werden, das andere, Felix und Eva, hat bereits zwei Kinder. Die Verbindung dieser beiden auch in vielen anderen Bereichen doch so unterschiedlichen Paare besteht in der langjährigen Freundschaft der beiden Männer. Es ist schön mitzuerleben, welche Wärme entstehen kann, wenn Menschen in den Austausch treten und erfahren, was die andere tatsächlich denkt. Also wenn man aus dem Gedankenkarussell heraustritt und in Kontakt tritt, erkennt man das bei den anderen auch nicht alles rosig ist. So wird sehr brutal dargestellt, was es tatsächlich heit Mutter von zwei sehr jungen Kindern zu sein.
Die Kapitel des Buchs entsprechen jeweils einem Tag ihres Urlaubs. Die Gedanken der Erwachsenen werden in Abschnitten dargestellt, allerdings liegt der Fokus auf den Frauen und hier auf Linn, die sich unwohl fühlt. Aber auch Malte bekommt Raum, insbesondere in Rückblicken, die verdeutlichen warum Felix und er noch befreundet sind. Nur Felix, der scheinbar alles hat,Geld, Familie,Charisma, wird uns nur durch seine Taten aus der Sicht der anderen dargestellt.
Sehr gut gefällt mir die Namenswahl. So heißt das Kind, welches sich wirklich wie ein Otto verhält einfach Otto. Das Kind, was anstrengend ist weil es einfach noch so jung ist, heißt der Einfachheit halber Baby. Der immerglückliche Strahlemann heißt Felix. Die Frau, die bereits Kinder bekam wurde nach der Urmutter Eva benannt. Malte, der am ehesten die anderen durchschaut und dabei für alle ein Fels in der Brandung ist verdient ebenfalls seinen Namen, der unter anderem Beschützer bedeutet.
Lustig sind auch die vielen kleinen Hinweise auf das Leben des Moritz Neumeier.
Obwohl ich lieber Bücher die etwas länger sind lese, fand ich in diesem Buch die Darstellung der komplexen Dynamiken wirklich sehr gelungen. In amüsanter Schreibweise wurde hier in Kurzform eine fesselnde Geschichte verfasst.
Es ist ein Buch darüber, dass Menschen immer das haben wollen, was sie gerade nicht haben. Beim genauen Hinsehen wird aber oft deutlich, dass es den Menschen die das gewünschte haben nicht automatisch glücklich sind. Ich empfehle es.