Der Einstieg konnte mich wirklich packen - düster, mystisch angehaucht und mit dem Versprechen einer rauen Fantasy-Geschichte. Auch das Tempo zu Beginn hat mir gefallen - wir lernen Crane und Zara ohne große Umschweife kennen, auch wenn kennenlernen fast schon zu viel gesagt ist, denn Fragen gibt es von Anfang an natürlich mehr als Antworten.
Leider konnte das Buch meine anfängliche Faszination nicht ganz so halten. Während ich anfangs noch sehr gut durch die Seiten geflogen bin, hat es mich besonders in der Mitte ein wenig verloren - und auch zwischendrin immer mal wieder. Der Schreibstil, der zu Beginn noch angenehm schlicht wirkte - also nicht überladen und eigentlich passend für das Setting - war mir auf Dauer dann doch nicht bildlich genug und stellenweise etwas zu holprig-knapp. Ein wenig mehr Umschreibungen hätte es insgesamt runder gemacht.
Crane und Zara sind beide interessante Charaktere (Crane vielleicht noch einen Hauch mehr) aber irgendetwas hat mir hier trotzdem gefehlt. Vor allem die Dynamik zwischen den beiden blieb für mich schwer greifbar, geradezu distanziert. Auch den Romance-Anteil konnte ich bis zum Ende hin nicht wirklich spüren, obwohl ich ein großer Fan von Slow Burn bin - hier fehlte mir jedoch irgendwie einfach die knisternde, verständliche, sich richtig anfühlende Chemie. Und das Thema morally grey blieb für mich deutlich hinter meinen Erwartungen zurück - wurde aber dennoch stimmig eingebaut.
Was ich dagegen aber wirklich spannend fand, war das Magiesystem und die Grundidee der Welt. Wir befinden uns schnell in einem gefährlichen Spiel um Freiheit und Überleben, in dem Misstrauen eine große Rolle spielt und nie ganz klar ist, wem man eigentlich trauen kann. Diese düstere, teils bedrückende Atmosphäre hat für mich gut funktioniert und zieht sich auch durch große Teile der Geschichte.
Niemand ist hier wirklich perfekt - alles fühlt sich wie ein falsches, makabres Spiel an: jeder gegen jeden und gleichzeitig geht es doch irgendwie um Freiheit, um mehr, um sich selbst vielleicht auch um andere, vielleicht sogar um alle und vielleicht um so viel mehr
Immer wieder gab es dann Momente, die mein Interesse geweckt haben, stark formuliert waren -nur um mich an anderer Stelle wieder etwas zu verlieren - wie ein kleiner Schlagabtausch, ein Auf und Ab. Manche Entwicklungen gingen mir zu schnell, während mir gleichzeitig an vielen Stellen mehr Details und Tiefe gefehlt haben. Gerade die Welt an sich - da hätte ich mir einfach mehr, viel mehr Hintergrund gewünscht. Mehr Einblicke, mehr Lebendigkeit.
Auch die Perspektivwechsel haben mir grundsätzlich gefallen, weil sie einfach andere Einblicke geben - aber dann waren sie mir stellenweise fast wieder etwas zu viel. Hier hätte ich mir gewünscht, öfter länger bei einer Figur zu bleiben. Und der Plot-Twist konnte mich nicht ganz so überraschen - gut gefallen hat er mir trotzdem!!
Zusammenfassend lässt mich die Geschichte - auch wenn vieles noch offen ist oder vielleicht gerade deswegen - nicht ganz los. Vielleicht, weil ich finde, dass noch so viel Potenzial darin steckt. Ich bin neugierig, wie es weitergeht und hoffe, dass Band zwei mehr Tiefe, mehr Details und vor allem mehr greifbare Momente für Alles und gerade für Zara und Crane mit sich bringt.
Also.. insgesamt ist es für mich ein solider Auftakt, der mich nicht durchgehend überzeugen konnte, bei dem ich aber über einiges hinwegsehen kann, weil mein Interesse genug geweckt wurde, um weiterzulesen!