Ein namenloses junges Mädchen ist zusammen mit 39 Frauen in einem unterirdischen Käfig eingesperrt. Hier gelten strenge Regeln. Sie werden von drei Wärtern bewacht, die bei jeglichem Verstoß mit der Peitsche knallen. Sie sprechen nicht mit den Gefangenen, die nicht wissen, warum sie eingesperrt sind und auch nicht, warum sie überhaupt am Leben gehalten werden. Irgendwann in der Vergangenheit hat es ein unbekanntes Ereignis gegeben, das ihr bisheriges Leben beendete. Die anderen Frauen haben noch vage Erinnerungen an die Vergangenheit, an Ehemänner und Kinder, an Liebe und Sex. Das Mädchen wird unter anderem auch deshalb von den anderen ausgrenzt, weil ihre Situation völlig anders ist. Sie wurde schon als Kleinkind in den Käfig gesperrt, kennt ihren Namen nicht und weiß nicht, wer ihre Eltern sind. Sie kann weder lesen noch schreiben, kann sich unter all den Dingen, die zu einem normalen Alltag gehören, nichts vorstellen. Irgendwann findet sie in Anthea eine Freundin, die ihr Zahlen und Buchstaben beibringt. Das Mädchen entwickelt ein System, das es ihr ermöglicht, Zeit zu messen. Bisher gab es für die Frauen keine Möglichkeit, Tag und Nacht zu unterscheiden, denn das Licht wurde nie ausgeschaltet. Eines Tages ertönt eine Sirene, und die Wärter, die gerade die Zellen geöffnet haben, um die karge Mahlzeit zu bringen, verschwinden spurlos. Als erste verlässt das Mädchen das Gefängnis. Sie schaut sich in dem Bunker um, findet reichlich Lebensmittel und tiefgefrorenes Fleisch, etwas Kleidung, einige Paar Stiefel. In der Folge erforschen die Frauen erst die Umgebung und machen dann immer längere Expeditionen. Sie hoffen, auf andere Menschen zu treffen, eine Stadt zu finden. Stattdessen stoßen sie im Laufe der Jahre auf immer neue verschlossene Bunker mit jeweils 40 toten Frauen, manchmal auch Männern. Im Lauf der Jahre werden sie eine Gemeinschaft, weil sie nur überleben können, wenn sie einander unterstützen und helfen. Da das Mädchen mit Abstand die Jüngste ist, ist von vornherein klar, dass sie irgendwann die einzige Überlebende sein wird.
In dieser ungewöhnlichen Dystopie behandelt die Autorin viele Themen. Was macht menschliches Leben aus? Was macht uns zu denen, die wir sind? Sind die Frauen außerhalb des Käfigs wirklich frei? Welchen Sinn hat das (Über-)Leben? Auf viele Fragen bekommt der Leser bis zum Schluss keine Antwort, zum Beispiel, welches Ereignis jegliche Normalität beendet hat und ob sie sich noch auf dem Planet Erde befinden. Wo kommt die Energie für die Beleuchtung der Bunker her, und wer sorgt für die Nahrungsmittel?
Die neue Übersetzung dieses zuerst 1995 in französischer Sprache veröffentlichten lange vergessenen Romans ins Englische hat einen Hype ausgelöst, den ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Es ist ein interessanter Roman, der für mich aber zu viele Fragen unbeantwortet lässt und einige Ungereimtheiten enthält.