Das Kochbuch "Der Histamin-Masterplan" von Jörn Klasen soll all jenen helfen, die ein Programm bei Histaminüberschuss/Histaminintoleranz benötigen. Gegliedert ist das Buch in einen Informationsteil und anschließende Rezepte vom Frühstück bis hin zum Dessert.
Mir hat vor allem der informative Teil viele neue Zusammenhänge eröffnet. Besonders überrascht hat mich z.B., dass Histamin auch Einfluss auf den Zyklus haben kann und dass sein Abbau unter anderem mit Schilddrüsenhormonen zusammenhängt. Die mögliche Rolle von Histamin bei Periodenschmerzen oder im Zusammenhang mit Hashimoto-Thyreoiditis war mir vorher nicht bewusst.
Der Sachteil ist insgesamt sehr verständlich geschrieben und vermittelt viel Hintergrundwissen zu Histamin, Ernährung und weiteren Einflussfaktoren wie Stress, Schlaf oder Lagerung von Lebensmitteln. Gerade die Kombination aus Ernährungstipps und Lebensstilfaktoren finde ich sinnvoll, weil deutlich wird, dass Histamin nicht nur durch einzelne Lebensmittel beeinflusst wird und es mit einer angepassten Ernährung alleine eben nicht getan ist.
Gleichzeitig hat mich die praktische Umsetzung ein wenig gestresst allerdings liegt das weniger am Buch selbst als an der Realität einer histaminarmen Ernährung. Viele Empfehlungen setzen voraus, dass man sehr frisch einkauft und Lebensmittel schnell verarbeitet, was die Umsetzung deutlich schwieriger macht. Hier hätte ich mir teilweise noch klarere Hinweise zur Lagerung und zur schnellen Verarbeitung von Lebensmitteln gewünscht, um nicht das Gefühl zu haben, etwas unabsichtlich falsch zu machen. Zum Beispiel habe ich erst durch eigene Recherche erfahren, dass frischer Fisch oder Fleisch idealerweise direkt am Einkaufstag verarbeitet werden sollten, da die normale Kühlschrankkühlung ausreicht, um eine vermehrte Histaminbildung zu vermeiden, und eine 2-3-tägige Kühlschranklagerung bereits kritisch sein kann.
Auch die Lebensmitteltabelle im Buch empfand ich als weniger streng als die Empfehlungen aus einer persönlichen Ernährungsberatung. Dadurch war ich teilweise unsicher, woran man sich orientieren sollte. Für eine sehr strikte histaminarme Karenzphase etwa über zwei bis drei Wochen hätte ich mir eine klarere Einordnung gewünscht, welche Lebensmittel wirklich unproblematisch sind.
Die Rezepte im Buch klingen insgesamt sehr lecker und abwechslungsreich, vor allem für Menschen, die gerne mit Kräutern und Gewürzen kochen. So zum Beispiel die Kartoffel-Wedges mit Mojo Verde oder die Asia-Nudelsuppe. Grundsätzlich hätte ich mir zu fleisch- und fischhaltigen Rezepten noch einen histaminarmen Hinweis auf eine vegetarische Alternative gewünscht.
Zudem hätte ich mir für eine strikte Auslassphase mehr Rezepte gewünscht, die ausschließlich aus eindeutig histaminarmen Lebensmitteln (SIGHI 0) bestehen. In manchen Rezepten sind Zutaten enthalten, die eher als Verträglichkeits-Check-Lebensmittel gelten. Das hat mich teilweise verunsichert etwa bei Zutaten wie Erbsen oder auch bei Details wie Knoblauch. Hier wären klarere Hinweise hilfreich gewesen, etwa ob bestimmte Zutaten während der Karenzphase besser weggelassen und im Anschluss einzeln ausgetestet werden sollten.
Insgesamt ist "Der Histamin-Masterplan" für mich ein sehr gelungenes und gut verständliches Einstiegsbuch zum Thema Histamin. Besonders der Hintergrundteil vermittelt wertvolles Wissen und viele Aha-Momente. Für Menschen, die sich dem Thema zunächst nähern oder einen Überblick bekommen möchten, ist das Buch daher sehr empfehlenswert. Wer allerdings eine sehr strenge histaminarme Ernährung etwa im Rahmen einer kurzen Karenzphase umsetzen muss, könnte an manchen Stellen noch mehr Klarheit und strengere Rezeptauswahl vermissen.