Es ist das Jahr 1933 und in Mississippi beherrscht die Wirtschaftskrise die Bevölkerung. Birdie wird von Mutter und Großmutter zu ihrer Schwester Frances geschickt, um den gut betuchten Schwiegersohn um Geld zu bitten. Doch was sich auf dem Anwesen der Familie Tartt abspielt zwingt Birdie, völlig neue Wege zu gehen und über sich hinaus zu wachsen.
Kathryn Stockett zeichnet das Bild der Südstaaten, die sich 1933 vor allem gegen die Rassenmischung und gegen die Eigenständigkeit der Frauen aussprechen. Ein Komitee zur Bekämpfung des Lasters versucht eifrig, Prostitution einzudämmen und die Prohibition zu bewahren, Homosexualität ist eine schreckliche Krankheit, Polizeigewalt an der Tagesordnung. Alleinerziehende Mütter und Prostituierte werden als schwachsinnig abgestempelt und zwangssterilisiert, die Bigotterie sorgt in den Waisenhäusern für schreckliche Zustände.
Auch wenn man die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika kennt so ist es doch grausam, von diesen Zuständen zu lesen. Um so unterhaltsamer ist die Geschichte von Birdie, die allen Widrigkeiten zum trotz mit einer kleinen Schar starker Frauen aus den unteren Schichten der Gesellschaft den Mut hat, die Gesellschaft auszutricksen.
Die Autorin zeichnet ihre Charaktere sehr liebevoll und authentisch, köstlich zum Beispiel die prüde Frances, die Großmutter mit ihrem losen Mundwerk oder die versnobte bessere Gesellschaft von Oxford Mississippi. Sehr berührend ist der zweite Erzählstrang um die 11jährige Meg, die im Waisenhaus landet, da ihre Mutter plötzlich verschwunden ist.
Beim Thema ihres neuen Romans bleibt Kathryn Stockett sich treu, es gibt einige parallelen zu ihrem Roman "Gute Geister". Auch hier geht es um mutige Frauen, die sich gegen die Umstände auflehnen und sie nicht einfach als gottgegeben hinnehmen.
Von der ersten Seite an zieht der Roman einen in seinen Bann, man leidet mit Meg und freut sich für Birdie, dass sie aus ihrem eigenen Schatten heraus tritt. Man bewundert ihren Mut, der aus der schrecklichen Verzweiflung heraus geboren ist und sie zu einer stärkeren und selbstbewussteren Person macht.
Ein vielschichtiger Roman, der sehr gut unterhält und neben Zeitgeschichte auch mit viel Humor punktet. Trotz seiner 848 Seiten liest er sich schnell und wird nie langweilig. Das liegt sicher auch an den zwei Erzählebenen, die beide für sich genommen interessant und spannend sind. Das Ende ist vielleicht ein bisschen zu glatt, aber insgesamt hat mir dieser dieser Roman ein großes Lesevergnügen bereitet und mich sehr gut unterhalten.