Der Einstieg fällt nicht leicht. Die Geschichte braucht Zeit, um in Gang zu kommen, was vor allem an der sehr ausführlichen, teils ausschweifenden Erzählweise liegt. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Fabio Flaco Lozano, einem ehemaligen Kriminalinspektor, der nun als Sicherheitsbeamter arbeitet. Seine Stimme prägt den Roman stark. Direkt, scharf, oft an der Grenze zur Unverschämtheit. Er sagt, was er denkt, ohne Rücksicht auf sein Gegenüber. Das macht ihn zunächst schwer zugänglich und nicht unbedingt sympathisch. Ein Charakter, mit dem der Umgang nicht einfach ist.
Gleichzeitig zeigt sich schnell, dass Flaco mehr ist als nur ein unangenehmer Zeitgenosse. Er ist klug, beobachtet genau und bleibt hartnäckig an der Sache. Während die Polizei eher im Hintergrund bleibt, treibt er die Ermittlungen eigenständig voran. Das gibt dem Fall zwar eine eigene Dynamik, nimmt ihm aber auch ein Stück Tiefe, weil das klassische Ermittlungsgefüge weitgehend fehlt.
Der Mordfall beginnt vielversprechend. Eine Frau stirbt während einer Hotelfeier, das Gift eines Kugelfischs im Champagnerglas. Doch die Spannung entwickelt sich nur schleppend. Viele Passagen verlieren sich in Details, ohne die Handlung wirklich voranzubringen.
Erst etwa ab der Mitte gewinnt die Geschichte an Fahrt. In dieser Phase zeigt Flaco auch andere Seiten. Er wird zugänglicher, stellenweise sogar sympathisch, was den Zugang deutlich erleichtert.
Besonders gelungen sind die atmosphärischen Beschreibungen der Insel. Fuerteventura wirkt greifbar. Die trockene Hitze, das flirrende Licht, der allgegenwärtige Calima, dieser heiße, staubige Wind aus der Sahara, der die Luft trüb macht und sich wie ein Schleier über alles legt. Die Schwere der Luft ist förmlich zu spüren. Dazu kommen kleine, stimmige Details aus dem Alltag. Essen spielt eine Rolle, etwa die typischen papas arrugadas mit Mojo-Soße, die das Setting authentisch abrunden und der Geschichte zusätzliche Authentizität verleihen.
Der Schluss hingegen überzeugt weniger. Die Auflösung wirkt konstruiert und hinterlässt nicht den Eindruck, dass sich alles stimmig aus der Handlung heraus entwickelt. Hier hätte es mehr Klarheit und weniger künstliche Zuspitzung gebraucht.
Unterm Strich bleibt ein Krimi mit starker Kulisse, aber Schwächen in Spannung und Figurenzugang. Flaco Lozano gewinnt im Verlauf an Profil, bleibt aber eine Figur, die nicht durchgehend trägt.
Fazit:
Starke Atmosphäre, aber zu wenig Spannung und ein wenig überzeugender Abschluss.