Es gibt viele Coming-of-Age-Romane, die diesen einen Sommer zum Thema haben, in dem die Figuren zwischen Lebensrealität, Sinnsuche und Aufbruch schwanken und in denen die Gefühle so ungeheuer intensiv sind wie später scheinbar nie mehr. Auch Dominik und Biff erleben gemeinsam einen solchen Sommer, zwischen Provinzkaff und einem Ausflug nach Berlin, zwischen Klausuren und Schulstress, Partyspaß und Bandproben, Dabei wirken ihre Charaktere und auch die der Nebenfiguren wunderbar lebendig. Vor allem, weil das jeweilige Lebensumfeld von Dominik und Biff alles andere als austauschbar ist. Insofern strahlt dieser Roman von Beginn an etwas aus, das mich begeistert und fasziniert hat.
Dominik lebt allein bei seinem Vater, der ein Bestattungsinstitut führt und ihn als Nachfolger sieht, was bei Dominik das Gefühl auslöst, keine Wahl zu haben. Und obwohl er die Schule nicht sonderlich gern hat, sträubt sich etwas in ihm gegen diese Wahllosigkeit. Biffs Vater ist dagegen ein herrschsüchtiger Alkoholiker, der die ganze Familie tyrannisiert. Seinem Zugriff zu entkommen, scheint ebenso schwierig, wenn nicht gar unmöglich.
Ich fand diese Geschichte einer sich vertiefenden Freundschaft voll flirrender, verwirrender und überwältigender Gefühle schön und lebensnah erzählt. Die Sprache ist passend und ließ mich manchmal grinsen. Was geschieht, vor allem die Ereignisse gegen Ende des Romans, fand ich überzeugend dargestellt und nicht vorhersehbar.
Restsommer ist für mich eines jener Bücher, die einen eigenen Sound besitzen und deshalb im Kopf lange nachhallen.