Mit "Leuchtturmzauber" entführt uns Marie Merburg diesmal auf die wunderschöne Nordseeinsel Juist. Hauptfigur Julia arbeitet dort in der familieneigenen Inselspedition und kämpft tagtäglich um dessen finanzielles Überleben, denn ihr Vater ist ihr wegen eines emotionalen Ausnahmezustands keine wirkliche Hilfe. Als sie dann auch noch zu Nachhilfestunden im Rahmen eines Kutscher-Lehrgangs verdonnert wird, könnte sie platzen. Nicht zuletzt entpuppt sich auch noch Lukas Jantzen, Erbe des Konkurrenzunternehmens, als der Fahrlehrer. Was für ein Ärger, dass er dazu auch noch so unverschämt attraktiv ist!
Ich habe mich beim Lesen vom ersten Moment an wieder rundum wohlgefühlt. Die Romane der Autorin sind für mich echtes Wohlfühl-Lesen und gehören für mich zum Frühling einfach dazu: Man schlägt die erste Seite auf und ist sofort mitten im Geschehen. Das Inselleben auf Juist ist so lebendig und liebevoll beschrieben, dass ich am liebsten direkt die Koffer packen wollte. Besonders spannend fand ich den Einblick in das Leben einer Inselkutscherfamilie inklusive kleiner Details rund um Pferde, Kutschfahrten und sogar die Fahrprüfung für Pferdekutschen. Diese Aspekte verliehen der Geschichte eine besondere Authentizität und sorgten dafür, dass der Roman trotz seiner Leichtigkeit nie belanglos auf mich wirkte.
Julia ist eine Protagonistin, mit der ich sehr mitfühlen konnte. Sie kämpft an vielen Fronten: um den Familienbetrieb, um ihren trauernden Vater und nicht zuletzt mit ihren eigenen Gefühlen. Ihre Gedanken und Emotionen wirkten meist authentisch, auch wenn ich nicht jede ihrer Reaktionen nachvollziehen konnte. Gerade wenn sie vor Problemen oder ihren Ängsten davonlief, wirkte sie stellenweise eher wie eine 13-Jährige als wie die angeblich toughe 33-Jährige.
Umso mehr mochte ich Lukas. Er ist für mich die heimliche Hauptfigur des Romans: reflektiert, geduldig, humorvoll und unglaublich unterstützend. Besonders schön fand ich, wie selbstverständlich er Julia beistand - er hat sich für mich definitiv zu meiner Lieblingsfigur entpuppt.
Mit von der Partie war auch Julias beste Freundin Wiebke, die wohltuende Bodenständigkeit in Julias Gefühlschaos brachte ehrlich, direkt und immer unterstützend. Und auch Nebenfiguren wie Kutscher Kevin oder Julias Vater waren greifbar und glaubwürdig gezeichnet.
An manchen Stellen hätte ich mir im romantischen Teil allerdings etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht. Der Humor so gelungen er insgesamt ist hat für mich gelegentlich das zarte Prickeln überlagert. Zudem ging mir die gedankliche Entwicklung von Julia stellenweise zu schnell: Kaum fiel der erste Kuss, dachte sie schon über eine mögliche Beziehung oder sogar die große Liebe nach. Hier hätte ich mir mehr Kennenlernen und weniger Zukunftsdrama gewünscht.
Im letzten Drittel schlägt der Roman ernstere Töne an, die ich interessant fand, allerdings etwas die vorherige Leichtigkeit vermissen ließen. Nichtsdestotrotz fand ich diese tiefgründigere Note sehr gelungen.
Fazit: "Leuchtturmzauber" ist ein humorvoller, warmer und atmosphärischer Roman mit sympathischen Figuren und einem traumhaften Setting. Auch wenn mir die Entwicklung stellenweise etwas zu schnell und zu dramatisch erschien, überwog für mich klar das Wohlfühlgefühl. Die Mischung aus Schmunzeln, Mitfiebern und Inselflair macht einfach jedes Mal wieder Spaß.
Ich wollte eigentlich gar nicht, dass das Buch endet und freue mich jetzt schon auf den nächsten Roman der Autorin!