Im August 1995 verschwinden eines Nachts zwei 13-jährige Kinder aus einem Schullandheim auf der kleinen Insel Neuwerk. Eines von beiden, Isa, taucht einige Tage später wieder auf, doch von Janosch fehlt jede Spur. 30 Jahre später, im Oktober 2025, befinden sich auf der Fähre nach Neuwerk fünf Passagiere, die nichts voneinander wissen, deren Wege sich aber schon bald kreuzen werden. Vier von ihnen waren in der verhängnisvollen Nacht auf der Insel, und die Geschehnisse damals haben sie nie losgelassen. Als ein heftiger Orkan aufzieht, sitzen alle auf der Insel fest und müssen sich der Vergangenheit stellen.
Für mich war es das erste Buch von Romy Fölck. Da ihre Elbmarsch-Reihe so hoch gelobt wird, war ich sehr neugierig auf Fünf Fremde.
Das Buch beginnt spannend und der Schreibstil spricht mich an: Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, 1995 und 2025, und auch die Erzählperspektiven wechseln zwischen den Protagonist:innen hin und her. Als Leser:in erfährt man so Stück für Stück mehr über die Figuren und die Situation 1995. Dies, zusammen mit überraschenden Wendungen, sorgte dafür, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und was letztendlich damals wirklich geschehen ist.
So sehr mich die ersten zwei Drittel gefesselt haben, so ernüchtert war ich aber letztendlich vom Rest. Die Dialoge werden zunehmend hölzern und unnatürlich, und das Ende erscheint mir sehr unglaubwürdig und konstruiert. Rückblickend sind für mich wesentliche Teile der Handlung nicht schlüssig. Sie dienen zwar dem Spannungsaufbau, ergeben aber kein konsistentes Gesamtbild. Mir scheint es, als hätte man um der Dramaturgie Willen einige Aktionen eingebaut, die im Nachhinein ziemlich sinnfrei sind. Hinzu kommen haarsträubend viele inhaltliche und logische Fehler. Das sind teils ärgerliche, aber für die Geschichte unwesentliche Dinge wie die Aussage, dass die Sonne von Monden umkreist würde, aber auch grobe Schnitzer, die zentrale Punkte der Handlung betreffen. Diese kann ich hier nicht näher aufzählen ohne zu spoilern. Insgesamt habe ich mehr als 15 Logikfehler gezählt. Auch das Loocked-Room-Setting, das auf der kleinen Insel durch den Orkan erzeugt werden soll, wirkt wie eine bloße Behauptung, da trotz heftigsten Sturms alle Protagonist:innen ständig draußen unterwegs sind, einschließlich einer alten, dementen Person.
Aufgrund der Vielzahl an Fehlern und Ungereimtheiten, der durchschnittlichen Sprache und den Mängeln in der Plotkonstruktion hat mich dieses Buch leider total enttäuscht und ich kann lediglich 2 Sterne vergeben.