Der historische Roman Tage des Wandels von Ulrike Renk ist die Fortsetzung des Romans Am Fluss der Zeiten und es geht um den Kalmulehof, der sich im Münsterland befand. Da die Autorin in dieser Trilogie ihre eigene Familiengeschichte verarbeitet, wird wieder aus der Sicht der Bauern die Auswirkungen der Weltgeschichte beschrieben. Ein Überleben der einfachen Leute war nur dank eines Familienzusammenhaltes sowie deren Abhängigkeiten untereinander möglich.
Typisch für diese Zeit war aber auch, dass die Dorfbewohner sich gegenseitig bei Reparaturen halfen oder allgemein wenn einer von ihnen in Not ist. Ein weiterer Handlungsstrang ist die Geschichte der Hexenverbrennung in Lüdinghausen, die allerdings nicht sehr intensiv beschrieben wird. Es werden die Ängste der einfachen Leute authentisch wiedergegeben und ich fühlte mich beim Lesen immer mittendrin bei den Diskussionen und Gesprächen. Ich fand die Erklärungen um die politischen Verstrickungen der damaligen Zeit sehr gut beschrieben. Sie waren sehr gut und leicht verständlich nachvollziehbar und wurden von der Autorin geschickt in die Handlung eingebaut.
Die historisch belegte Hauptprotagonistin Eva fand ich von Anfang an sympathisch, da sie hilfsbereit, klug und auch sehr fleißig ist. Als Eigenbehörige geboren, wird sie später leibfrei. Die Änderung des Status fand ich plausibel und nachvollziehbar. Ich habe mit ihr gelitten und mich mit ihr gefreut.
Es gibt ein ausführliches Personenverzeichnis, ein Glossar und ein erläuterndes Nachwort, in dem die Autor die belegten Vorfahren sowie die erfundenen Protagonisten darlegt.
Insgesamt habe ich nur einen Punkt abgezogen (4 von 5 Sterne), weil ich mir des öfteren mehr Spannung gewünscht hätte.
Fazit:
Der Autorin ist es sehr gut gelungen, das bäuerliche/ländliche Leben Ende des 16. Jahrhundert bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts authentisch, ausführlich und sehr interessant zu vermitteln.
Ich empfehle dieses Buch gerne weiter und freue mich auf den Abschluss der Trilogie