Stellt euch vor, ihr habt nach einem absoluten Albtraum endlich Ruhe gefunden und seid aufs Land gezogen, um neu anzufangen. Genau dort steht Dr. Eva Mares plötzlich einem verzweifelten Vater und seiner hochschwangeren Tochter gegenüber, die mitten in der Nacht Hilfe brauchen. Erst scheint medizinisch alles okay zu sein, doch nachdem die beiden weg sind, findet Eva eine versteckte Nachricht im Badezimmer. Ein stummer Schrei nach Hilfe, der alles verändert. Was als Routinebesuch beginnt, zieht Eva tief hinein in einen Sumpf aus Lügen, Gewalt und Abgründen, die leider viel zu nah an der Realität liegen.
Ich muss direkt zu Beginn eine Sache ganz deutlich sagen. Schnappt euch unbedingt vorher den ersten Teil 'Die Ärztin - Gefährliche Nachtschicht'. Man trifft hier so viele bekannte Gesichter wieder, die mir schon im ersten Band ans Herz gewachsen sind, und ich glaube fest, dass man ohne das Vorwissen bei der Anzahl an Personen total den Überblick verlieren würde. Man kann die Geschichte einfach nicht so intensiv genießen, wenn man die Bindung zu den Charakteren nicht schon im Gepäck hat. Also tut euch den Gefallen und lest es in der richtigen Reihenfolge, damit das Leseerlebnis nicht getrübt wird.
Was mich bei diesem Buch wirklich umgehauen hat, ist die unfassbare Recherche von Meike Dannenberg. Man merkt in jeder Zeile, wie viel Herzblut und Fachwissen sie investiert hat. Sie gibt Themen eine Stimme, die oft im Dunkeln bleiben und über die wir als Gesellschaft viel mehr sprechen müssen. Dass solche wichtigen Vorfälle in einem Thriller-Format so ernsthaft und respektvoll aufgegriffen werden, finde ich einfach nur stark.
Das Format des Buches ist für mich übrigens ein absoluter Pluspunkt. Es ist super handlich und bleibt mit knapp unter 300 Seiten angenehm kompakt. Das war für mich so erfrischend, weil es mal wieder beweist, dass ein guter Thriller keine 400 oder 500 Seiten braucht, um eine unheimliche Sogwirkung zu entfalten. Die Spannung baut sich schleichend auf und wird durch die verschiedenen Perspektiven richtig greifbar.
Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass manche Entwicklungen für mich einen Tick zu vorhersehbar waren und es ein paar Momente gab, die etwas konstruiert wirkten. Aber das hat meinen Gesamteindruck kaum geschmälert, weil die Atmosphäre einfach so dicht und emotional fordernd war. Es ist definitiv keine leichte Kost, aber genau das macht es so gut.
Es ist ein echtes Highlight für alle, die Thriller mit Tiefgang und einer starken, authentischen Protagonistin lieben. Wenn ihr Lust auf eine Geschichte habt, die unter die Haut geht und bei der man merkt, dass die Autorin wirklich was zu sagen hat, dann ist das euer Buch für die nächste Lesenacht.