Alle dreißig Jahre treten die Erben des Nachthofes und des Taghofes gegeneinander an, der Sieger herrscht in den kommenden Jahrzehnten über den dritten Hof. Von klein auf werden die Prinzen und Prinzessinnen auf diesen Kampf vorbereitet, der immer im Reich des vorigen Gewinners statt findet, dieses mal im Nachthof. Als der Schattenprinz Nox die Delegation des Tagreiches in Empfang nimmt, hat er kaum Augen für die Prinzessin, gegen die er in wenige Tagen kämpfen muss, viel mehr zieht deren Zofe Cass seine Aufmerksamkeit auf sich. Die selbstbewusste Lichtkriegerin bezaubert Nox mehr, als er sich eingestehen möchte, dabei stehen sie doch bei dem kommenden Turnier auf gegnerischen Seiten.
"When Shadows Darken the Sun" von Nina Schilling ist der Auftaktband einer fantasievoll geschriebenen Dilogie, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Sowohl Nox als auch Cass waren mir sympathisch, die Figuren des jeweiligen Gefolges mochte ich ebenfalls auf Anhieb. Wobei der Focus doch stark auf den Protagonisten lag, über ihre Begleiter habe ich kaum mehr erfahren, als für deren jeweilige Interaktion gerade vonnöten war, ab und an gab es noch einen kleinen Krumen Vergangenheitsinformation um bestimmte Charakterzüge zu erklären. Für meinen Geschmack hätten die Personen gern noch etwas umfassender beschrieben sein dürfen, nichtsdestotrotz habe ich sie alle gern begleitet.
Der Schreibstil hat mich leicht und locker durch die Handlung geführt auch wenn sich die Spannung innerhalb überschaubarer Grenzen hielt. Allerdings sehe ich diesen Roman zu weiten Teilen eher im Jugendsektor angesiedelt, es gab besonders im Weltenaufbau einige Punkte, die einfach als gegeben hin gestellt waren, ohne sie großartig zu hinterfragen. Ob es z.B. für den dritten Hof, um dessen Wohl doch die Spiele angeblich veranstaltet werden, wirklich optimal ist, über viele Jahrzehnte lang (der Nachthof hatte mehrere Turniere hintereinander gewonnen) im Dunklen zu existieren, wage ich zu bezweifeln. Mir hat sich auch noch nicht erschlossen, wer dort eigentlich lebt, da bisher ja nur die Völker des Lichts und des Schattens vorgestellt wurden.
Den großen Plottwist kurz vor Beginn der Spiele habe ich gefühlt vom ersten Moment an vorhersehen können, die Andeutungen waren in meinen Augen schon recht eindeutig. Wer sehr kritisch liest, wird sich in diesem Buch an einigen Dingen stoßen, zeitweise habe ich überlegt, ob einfach eine jüngere Zielgruppe angesprochen werden soll (bei der explizit beschriebenen Erotik habe ich diesen Gedanken wieder verworfen), dennoch habe ich mich insgesamt recht gut unterhalten gefühlt und bin neugierig genug zurück geblieben, um auch den Folgeband lesen zu wollen. Für mich blieben die angesprochenen Schwächen des Weltenaufbaus im Lesefluss eher hintergründig, im Nachhinein betrachtet hoffe ich allerdings, dass die eine oder andere Lücke im Weltbild im zweiten Buch noch geschlossen wird.
Fazit: Mich hat die Geschichte gefesselt und gut unterhalten, die kleinen Schwächen im Weltenaufbau sind während des Lesens im Hintergrund geblieben. Kritischer Lesenden möchte ich diesen Dilogieauftakt allerdings nicht uneingeschränkt empfehlen.