Mit "Tödliches Angebot" legt Marisa Kashino (lange Journalistin u. a. für die Washington Post) einen Psychothriller vor, der moralisch definitiv auf der dunklen Seite steht. Danke an netgalley.de und den Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar! Die deutsche Hörbuchfassung erschien bei Hörbuch Hamburg, übersetzt von Sybille Uplegger und gesprochen von Rebecca Veil. Im Zentrum steht Margo, die für ihre Familie unbedingt ein größeres Haus will. Koste es, was es wolle. Was als ehrgeizige Immobiliensuche beginnt, kippt zunehmend in Manipulation, Stalking und skrupellose Grenzüberschreitungen.
Meine Meinung
Schon der erste Satz Ich werde dieses Haus bekommen, egal, was ich dafür tun muss. setzt den Ton. Dieses kompromisslose Wollen zieht sich durch das gesamte Hörbuch. Besonders das erste Drittel hat mich richtig gepackt: Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, Margos Obsession wirkt verstörend nachvollziehbar, fast erschreckend plausibel. Zumindest für alle, die selbst grad auf Wohnungs-/Haussuche sind... ähm ja, das wäre dann ich :D
Diese Verschiebung von Margos moralischer Maßstäbe passiert schleichend und genau das macht den Reiz aus. Man ertappt sich dabei, wie man Margo versteht, obwohl man ihr Verhalten ablehnt. Und obwohl man schon ahnt, was die Geschichte noch alles bereit hält. Zumindest im Groben. Denn die Handlung an sich ist nicht wirklich überraschend, wenn man den Klappentext gelesen hat.
Der viel zitierte Vergleich mit "Gone Girl" passt durchaus: Auch hier haben wir eine hochintelligente, unzuverlässige Protagonistin, die uns bewusst manipuliert. Gleichzeitig musste ich stellenweise an das Buch "Das Beste sind die Augen" von Monika Kim denken.
Nach dem starken Beginn hat sich die Geschichte für mich allerdings im Mittelteil etwas verloren. Manche Entwicklungen wirkten konstruiert, der Schluss war mir persönlich too much. Der Thriller überschreitet bewusst moralische Grenzen (was spannend ist), aber die finale Zuspitzung war selbst für mich zu viel des Guten.
Großer Pluspunkt: das Hörbuch selbst. Rebecca Veil liest mit genau der richtigen Mischung aus kontrollierter Freundlichkeit und unterschwelliger Härte. Ihrer Stimme habe ich sehr gerne zugehört; sie passt hervorragend zu Margo. Für mich hätten sich die einzelnen anderen Figuren stimmlich noch etwas klarer unterscheiden dürfen, dennoch funktioniert die Geschichte im Audioformat insgesamt sehr gut.
Fazit
"Tödliches Angebot" ist ein unterhaltsamer, temporeicher Psychothriller mit einer faszinierend unsympathischen Hauptfigur. Für alle, die moralisch ambivalente Frauenfiguren und Immobilien-Obsessionen mit Abgrund lieben. Weniger geeignet für Leser:innen, die sich ein subtileres oder psychologisch feiner ausbalanciertes Finale wünschen.