Was passiert, wenn man das Leben in der Münchner High Society gewohnt ist und plötzlich vor dem Nichts steht? Genau das erleben Isabell, Clara und Lucas, als ihr Vater wegen Steuerbetrugs verhaftet wird und sämtliche Konten eingefroren werden. Der einzige Ausweg scheint ein Umzug zu Stine nach Deerhusen zu sein. Doch das bringt gleich mehrere Probleme mit sich: Stine und Isabell hatten seit 30 Jahren keinen Kontakt mehr, und Deerhusen liegt am anderen Ende Deutschlands weit entfernt von ihrem bisherigen Leben.
Entsprechend holprig gestaltet sich der Start in die neue Realität, und auch das Zusammenleben ist alles andere als einfach. Nach und nach beginnen die drei jedoch, sich mit den veränderten Umständen zu arrangieren wobei dieser Prozess nicht für alle gleich schnell oder leicht verläuft. Erzählt wird die Geschichte aus den wechselnden Ich-Perspektiven der vier Hauptcharaktere, was spannende Einblicke in ihre Gedanken und Entwicklungen ermöglicht.
Deerhusen selbst bedient dabei viele Klischees eines norddeutschen Dorfes allerdings auf eine charmante und humorvolle Weise. Die Geschichte ist durchzogen von witzigen Momenten, schafft es aber gleichzeitig, auch nachdenkliche Töne anzuschlagen.
Der Schreibstil ist angenehm leicht und lebendig, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Lediglich das Erzähltempo empfand ich als etwas unausgewogen: Während sich die Geschichte zu Beginn noch etwas Zeit lässt, wirkt das Ende vergleichsweise gerafft. Gerade dort hätte ich mir weniger Zeitsprünge und dafür etwas mehr Raum gewünscht.
Nichtsdestotrotz ist es eine rundum gelungene Geschichte, die mich zum Lachen gebracht hat und durch ihre Mischung aus Humor und Emotionen überzeugt. Ein Buch, das man nur ungern aus der Hand legt.