In Alma erzählt die italienische Autorin Federica Manzon die Geschichte einer Frau, die in Triest aufwächst. Ihre Mutter ist die Tochter eines reichen, gebildeten Paars, das die Traditionen des Habsburgerreichs fortsetzt. Es hat ihnen gar nicht gefallen, dass ihre Tochter einen Slawen von jenseits der Grenze heiratet. Das Ehepaar lebt in einem einfachen, unordentlichen Haus auf dem Karst in der Nähe der Grenze. Die Mutter arbeitet in der offenen Psychiatrie und kümmert sich nicht besonders um ihre Tochter. Dafür hat Alma ein liebevolles Verhältnis zu den Großeltern mütterlicherseits, mit denen sie in ihrer Kindheit glückliche Sommer verbringt. Alma liebt ihren Vater, leidet aber darunter, dass er immer wieder tagelang über die Grenze nach Osten verschwindet, ohne ihr zu erzählen, was er dort macht. Er gibt grundsätzlich wenig über sich preis, ein Verhalten, das Alma für ihr ganzes weiteres Leben übernehmen wird. Die Fragen nach ihren Wurzeln, ihrer Identität werden sie ein Leben lang begleiten, genauso wie das Fehlen jeglichen Zugehörigkeitsgefühls. Als Jugendliche beherrscht sie mehrere Sprachen der Region. Als Alma 11 Jahre alt ist, bringt ihr Vater Vili, den Sohn seines besten Freundes in Belgrad ins Haus. Sie wachsen fortan zusammen auf, weil die Eltern des Jungen als Dissidenten seine Sicherheit nicht gewährleisten können. Anfangs verstehen sich die beiden Kinder nicht besonders, später verlieben sie sich in einander und sind danach für viele Jahre wieder getrennt. Als Almas Vater stirbt, trifft sie Vili in Triest, wo er ihr im Auftrag ihres Vaters ihr Erbe übergibt. Das sind Unterlagen aus seinem und ihrem Leben, darunter Artikel, die sie geschrieben hat, aber auch Dokumente, die belegen, dass sie überwacht und abgehört wurde.
Überhaupt spielt der Roman in bewegten Zeiten, denn es geht um Tito, nach seinem Tod um den Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und schließlich um die Bosnienkriege der 90er Jahre. Dabei erspart die Autorin dem Leser auch nicht die Schilderung von Grausamkeiten und Völkermord, zum Beispiel den Mord an muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica. Aus den Unterlagen ihres Vaters erfährt Alma, dass Vili Knezevic als Fotograf im Tross der serbischen Truppen deren Verbrechen dokumentierte und damit Beweismaterial für die Prozesse in Den Haag lieferte.
Manzons Roman ist zweifellos interessant, liest sich aber nicht leicht. Das liegt unter anderem daran, dass die Zeitebene ständig wechselt, dass sowohl präzise geographische Angaben als auch Namen von wichtigen Persönlichkeiten häufig fehlen. Da fällt es dem Leser schwer, sich zu orientieren und Abläufe korrekt zu verstehen. Mich hat der Roman etwas enttäuscht.