Der Gletscher grollt und sirrt, knackt und singt. Wolken türmen sich über dem gräulichen Weiß, das Wetter ist sonderbar in diesen Tagen. Dicht schwebt die Bergluft über dem Hochtal, dicht ist auch die Sprache in Tal der Schwalben. Sie zieht sich zusammen und bündelt die Bergwelt, kondensiert die Sinneseindrücke, Pflanzen, Tiere und Gerüche auf der Bank hinter der Mauer. Sie dehnt sich aus und atmet das Licht, lässt Schwalben fliegen und Nebel wabern, beschwört Geschichten und Sagen.
Und dann ganz nüchtern zeigt sie die Härte des Lebens im Restland am Berg, das Spiel der Kinder, die Wut der übrig Gebliebenen, das raue Leben - seit Jahrhunderten. Immer gleich. Immer notwendig.
Es ist die Schweiz in der nahen Zukunft. Die Städte sind eine einzige, die Metropolitane. Die Alpen sind Sperrzone zur Energiegewinnung, die Menschen zwangsumgesiedelt. Nur einige Dörfer durften bleiben, in nicht unmittelbarer Nähe zum Gletscher.
Alesch ist junger leitender Wissenschaftler eines vielversprechenden Forschungsprojekts und kehrt in sein Heimatdorf zurück. Er will Messungen durchführen und soll die Anwohner*innen zum Umzug in die Stadt überreden. Die Resistenzia wehrt sich gegen die skrupellosen Absichten der Stromgesellschaft und Alesch ist hin- und hergerissen. Da ist einerseits die geliebte wunderschöne Bergwelt und andererseits seine Beteiligung an der Forschung, die die Antwort auf die Energiekrise bringen könnte.
Er deckt Geheimnisse auf, die nicht nur seine Überzeugungen ins Wanken bringen.
Seraina Kobler entwirft eine düstere Version der Zukunft, die beängstigend realistisch erscheint. In kraftvollen Bildern beschreibt sie eine gleichermaßen dystopische und poetisch schöne Welt, in der die Fragen nach Herkunft, Verantwortung und Zugehörigkeit drängender sind denn je. Dürfen sie noch relevant sein?
Tal der Schwalben ist eine Ode an die Bergwelt, Klimathriller, Zukunftsentwurf und Wissenschaftsroman.
Die Schweiz ist das perfekte Setting, ein Land, dessen Berge Identität stiften Ein wichtiges, spannendes und sprachlich überzeugendes Buch.