Ich lese die Bücher von Ali Hazelwood sehr gerne und kenne alle, die auf Deutsch veröffentlicht wurden. Auf die Wiedergabe des Inhalts dieses Buches verzichte ich, dieser wird bekannt sein bzw. kann nachgelesen werden.
Die Geschichte von Violet und Jesse passt - mit Ausnahme der Fantasyromane - in das übliche Schema von Ali Hazelwood (Frauen in Männerberufen bzw. MINT-Fächer studierend oder darin arbeitend; große, kluge Nerd-Männer, die sich als die Protagonistin schon länger liebende Helden herausstellen und die Damen anbeten, was denen über längere Zeit, teilweise aufgrund von Missverständnissen, nicht auffällt). Die Storyline ist somit ähnlich, aber durch die unterschiedlichen Settings, in denen sich die Romane abspielen, doch wieder abwechslungsreich. Aber vielleicht könnte Ali Hazelwood sich auch mal etwas ganz Anderes ausdenken, genug Phantasie hat sie zweifellos.
Die Sprache ist, wie man es gewohnt ist, witzig, treffsicher und äußerst unterhaltsam. Man merkt, dass Ali Hazelwood eine hochintelligente Autorin ist und sich in den jeweiligen Bereichen gut auskennt oder sich jedenfalls die erforderlichen Kenntnisse überzeugend verschafft hat. Die Professur für Neurowissenschaft nehme ich ihr sofort ab :-). Die "spicy" Szenen sind gut beschrieben und passen in den Kontext. Und wir wissen alle: Gäbe es keinen Sex, wäre die Menschheit ausgestorben ;-).
Was mich allerdings recht deutlich gestört hat war, dass das gute Potential der Geschichte mit 224 Seiten (Angabe laut Internet, wohl bezogen auf ein Papierbuch; auf meinem E-Reader waren es knapp 150 Seiten) nicht ausgeschöpft wurde. Es war recht schnell zu Ende (wirklich schade drum) und wirkte eher wie eine etwas längere Kurzgeschichte. Die Geschichte wäre sicherlich ausbaufähig gewesen. Dafür ist zudem der Preis mit EUR 12,99 eindeutig zu hoch. Ihre anderen Bücher sind mehr als doppelt so umfangreich und bieten somit längeres und ausführlicheres Lesevergnügen.
Ohnehin empfinde ich die Preise für E-Books oft überzogen. Die Verlage sparen eine Menge Geld, indem keine Papierausgaben hergestellt und ausgeliefert werden müssen, hierfür auch keine Lagerhaltung erforderlich ist. Der Käufer eines E-Books erwirbt zudem nur das Recht es zu lesen, der Käufer eines Papierbuches kann es verschenken, verleihen, vererben, verkaufen etc.. Für das Leserecht so viel zu bezahlen, vor allem vor dem Hintergrund, dass man die meisten Bücher wahrscheinlich auch nur einmal liest, erscheint mir zu teuer. Es gibt natürlich kostengünstige Stadtbibliotheken (und dort konnte ich das hier besprochene Buch jetzt auch ausleihen), aber die Leihzeit ist begrenzt und oft muss man lange warten.
Statt 3.5 vergebe ich vier Sterne, weil es halt Ali Hazelwood ist und ich sie als Autorin sehr schätze!