"Die Tote von Nazaré" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe um die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger. Nach einem Banküberfall, bei dem sie schwer verletzt wurde, reist sie mit Erinnerungslücken und den Folgen ihres Traumas nach Portugal, um Abstand zu gewinnen. Doch kaum angekommen, entdeckt sie eine Tote, die wenig später spurlos verschwunden ist.
Besonders der Einstieg hat mir gut gefallen. Maren wirkt durch ihre Verletzung und die Unsicherheit, die sie dadurch entwickelt hat, sehr menschlich. Ihre Gedanken und Gefühle konnte ich gut nachvollziehen und sie erschienen mir glaubwürdig. Gerade am Anfang gelingt es dem Autor, ihre Situation überzeugend darzustellen. Im weiteren Verlauf hätte ich mir allerdings gewünscht, dass sich diese Figur noch stärker entwickelt. Das Trauma bleibt zwar präsent, erzählerisch kommt aber wenig Neues hinzu, sodass Maren später etwas an Tiefe verliert.
Der Kriminalfall selbst ist solide aufgebaut. Die Verknüpfung zwischen den Ereignissen in Portugal und Marens Vergangenheit in Köln ergibt grundsätzlich Sinn und schließlich soll hier eine neue Reihe etabliert werden. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass diese Verbindung etwas raffinierter konstruiert worden wäre. Einige Entwicklungen wirken schon recht zufällig. Gleichzeitig hatte ich nicht den Eindruck, dass der Autor unbedingt auf den großen Überraschungseffekt aus war. Ich brauche nicht in jedem Krimi eine völlig unerwartete Auflösung. Mir ist wichtiger, dass die Geschichte nachvollziehbar bleibt und das ist sie hier. Trotzdem hätte die Verbindung zwischen Köln und Portugal gern noch etwas raffinierter ausfallen dürfen.
Etwas enttäuscht war ich dagegen vom Portugal-Aspekt. Nazaré mit seinen berühmten Wellen liefert zwar eine schöne Kulisse, bleibt für mich aber hier eben nur Kulisse. Ich hätte mir deutlich mehr lokales Kolorit gewünscht, wie mehr portugiesische Eigenheiten, Kultur oder Alltagsleben, die den Schauplatz unverwechselbar machen. So hätte die Geschichte letztlich fast genauso gut an vielen anderen Küstenorten spielen können.
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und die Seiten vergehen schnell. Insgesamt ist "Die Tote von Nazaré" für mich ein ordentlicher Reihenauftakt. Bei einer neuen Serie steht für mich ohnehin oft das Kennenlernen der Figuren und des zukünftigen Ermittlerteams im Vordergrund. Das gelingt hier durchaus, auch wenn sowohl die Figuren als auch der Schauplatz in den nächsten Bänden gern noch etwas mehr Profil bekommen dürfen. Ich bin jedenfalls neugierig, ob der Autor dieses Potenzial in der Fortsetzung besser ausschöpft.