Hartmut von Sass geht den vier Ebenen des faktischen, evaluativen, normativen und implikativen Zukunftsbezugs nach und fragt, welche Haltungen zur Zukunft der christliche Glauben bereits mit sich führt - im Angesicht konkreter Herausforderungen der Gegenwart, deren Zukunft fundamental unsicher geworden ist.
We should be interested in the future, if only because we will spend the rest of our lives in it. We have always related to the future in particular ways. Moreover, we evaluate imagined futures, and these evaluations affect the present, in which we already live together in anticipation, hope, expectation, or uncertainty - even resignation. Certain future scenarios require a concrete attitude from us, so that we must prepare ourselves and also consider the well-being of coming generations. Some broader orientations of life already contain rather concrete notions of how we should relate to the future. Hartmut von Sass examines these four levels of factual, evaluative, normative, and implicative relations to the future in greater depth, to eventually ask what attitudes toward the future and accompanying emotions the Christian faith already embodies - and this in the face of concrete challenges of a present whose future has become fundamentally uncertain. Yet this undertaking encounters a theological reservation concerning questions of last and penultimate things. Therefore, the general and theologically related question of the future is bound up with a recovery of eschatological interests. The author first rejects the two traditional approaches that either understand Christian images of the future realistically as outstanding facts or that weaken them by declaring everything a pure or impure symbol. The moments of truth in both approaches are preserved, while their pitfalls are avoided by situating eschatology within a practice-theoretical framework. Hartmut von Sass thus asks how the future - as eternal life, God's kingdom, and resurrection into a new life - emerges through and within the practices of faith. In doing so, it becomes clear what strong assumptions faith carries in this regard: despair is suggested as a form of 'sin,' whereas hope appears as one of the virtuous elements of faith itself. Finally, it is to be asked in what sense this promising faith might be linked with corresponding political concerns. Likewise, it is to be considered how God and the future relate to each other if one takes seriously the well-founded assumption that God himself has an open, still possible, and thus not predetermined future. Für die Zukunft sollten wir uns schon deshalb interessieren, weil wir den Rest unseres Lebens in ihr verbringen werden. Dabei verhalten wir uns schon immer auf bestimmte Weise zur Zukunft. Zudem bewerten wir angenommene Zukünfte, wobei diese Wertungen zurückwirken auf die Gegenwart, in der wir bereits in Vorfreude, Hoffnung, Erwartung oder in Unsicherheit, gar Resignation miteinander leben. Bestimmte Szenarien der Zukunft verlangen von uns eine konkrete Haltung ab, sodass wir uns vorbereiten müssen, aber auch das Wohl kommender Generationen zu bedenken haben. Und einige umfassendere Lebensorientierungen wiederum enthalten bereits recht konkrete Vorstellungen davon, wie wir uns zur Zukunft verhalten sollten. Hartmut von Sass geht diesen vier Ebenen des faktischen, evaluativen, normativen und implikativen Zukunftsbezugs genauer nach, um schließlich zu fragen, welche Haltungen zur Zukunft und sie begleitende Emotionen der christliche Glauben bereits mit sich führt - und dies im Angesicht konkreter Herausforderungen der Gegenwart, deren Zukunft fundamental unsicher geworden ist. Dieses Unternehmen aber trifft auf einen theologischen Vorbehalt gegenüber den Fragen nach letzten und vorletzten Dingen. Deshalb ist die allgemeine und dann aufs Theologische bezogene Frage nach der Zukunft mit einer Rückgewinnung eschatologischer Interessen verbunden. Dabei spricht sich der Autor zunächst gegen die beiden herkömmlichen Ansätze aus, die die christlichen Bilder der Zukunft entweder realistisch als ausstehende Tatsachen verstehen oder die sie depotenzieren, indem alles zum reinen oder unreinen Symbol erklärt wird. Die Wahrheitsmomente beider Zugänge werden aufgenommen, während ihre Untiefen umschifft werden, indem die Eschatologie in einen praxistheoretischen Rahmen eingezeichnet wird. Hartmut von Sass fragt folglich danach, wie Zukunft als ewiges Leben, Gottes Reich und Auferstehung in ein neues Leben durch und in den Praktiken des Glaubens überhaupt erst entsteht. Dabei wird sichtbar, welch starke Annahmen der Glaube in dieser Hinsicht mit sich führt, wenn Verzweiflung als Form der "Sünde", Hoffnung aber als eines der tugendhaften Elemente eben dieses Glaubens nahegelegt wird. Gegen Ende ist zu fragen, in welchem Sinn dieser zukunftsträchtige - was für eine Metapher! - Glaube mit entsprechenden politischen Anliegen einhergehen könnte. Ebenso ist zu erwägen, wie sich Gott und Zukunft zueinander verhalten, wenn wirklich Ernst gemacht wird mit der gut begründeten Vermutung, dass Gott selbst eine offene, noch mögliche und also nicht feststehende Zukunft hat.
Inhaltsverzeichnis
Auftakt. Von der Zukunft her
I. Expositionen
1. Zukunft als große Erzählung
2. Zwei oder drei Begriffe der Zukunft
3. Zukunft, die fru hen Jahre
4. Regime der Zeit
II. Sich zur Zukunft verhalten
1. future relations: vier Varianten
2. Zukunft als Existenzial
3. Zukunftspraktiken
4. Definitorisch: Theorie des Propheten
III. Zukunft als Norm
1. Eine Pflicht zur Zukunft?
2. Etwas versprechen
3. Emotionen der Zukunft
4. Tod
IV. Zukunft als theologisches Problem
1. Eine Sprache der Zukunft
2. Novum
3. Wiedergewinnung der Zukunft
4. Zukunftspolitik?
V. Der Gott der Zukunft