Die Septem Defensiones sind Paracelsus' entschiedene Selbstverteidigung gegen die gelehrte Medizin seiner Zeit: In sieben Reden rechtfertigt er seine Abkehr von Galen und Avicenna, seine Wanderpraxis, die chemische Arzneikunst und den Vorrang der Erfahrung vor Schulautorität. Der Stil ist scharf, aphoristisch und forensisch; lateinisch-humanistische Gelehrsamkeit trifft auf volkssprachliche Dringlichkeit. Im Kontext der Reformation des 16. Jahrhunderts erscheint das Werk als medizinisches Manifest, das Wahrheit nicht in Bibliotheken, sondern am Krankenbett und in der Natur sucht. Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, wurde 1493 geboren und formte sein Denken auf Reisen durch Bergwerke, Hospitäler und Kriegsgebiete. Seine Begegnungen mit Wundärzten, Bergleuten und Kranken außerhalb universitärer Ordnung nährten den Verdacht gegen bloße Buchmedizin. Konflikte in Basel, Anfeindungen durch Fakultäten und sein Anspruch, eine von Astronomie, Alchemie und Theologie durchdrungene Heilkunde zu begründen, erklären den apologetischen Furor dieser Schrift. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die die Entstehung moderner Erfahrungswissenschaft nicht als linearen Fortschritt, sondern als Streit um Autorität, Sprache und Heilkunst verstehen wollen. Die Sieben Verteidigungsreden sind keine bequeme Lektüre, doch gerade ihre Kühnheit macht sie unverzichtbar für Medizinhistoriker, Literaturwissenschaftler und alle, die Paracelsus jenseits des Mythos begegnen möchten.