My Dark Beast entführt seine Leser in eine Welt, in der Magie leise in den Alltag der Menschen sickert und mächtige Familien ihre Geheimnisse besser hüten als ihr eigenes Herz. Im Zentrum steht Calanthe, eine scheinbar gewöhnliche Floristin, deren Leben sich schlagartig verändert, als sie mit Tarian Hadez verbunden wird, einem ebenso gefährlichen wie faszinierenden Mann. Ihre Begegnungen finden zunächst nur in Träumen statt, während in der realen Welt Intrigen, Machtspiele und ein mysteriöses Verschwinden alles überschattet.
Der große Reiz dieser Geschichte liegt in ihrem ungewöhnlichen Aufbau. Realität und Traumwelt verschwimmen zunehmend, wodurch eine fast hypnotische Atmosphäre entsteht. Besonders der Traum-Trope wird kreativ genutzt, mit all seiner Unlogik, Intensität und emotionalen Nähe. Jede Szene zwischen Calanthe und Tarian knistert vor Spannung, ohne sich sofort in körperlicher Nähe aufzulösen. Calanthe überzeugt dabei als Heldin mit Witz, Beobachtungsgabe und einer inneren Stärke, die sich nicht laut, sondern konsequent zeigt. Ihre Verantwortung für die Familie, vor allem im Umgang mit der Krankheit der Mutter, verleiht der Figur zusätzliche Tiefe. Tarian hingegen ist der Inbegriff des dunklen Antihelden, er ist mächtig, geheimnisvoll, gefährlich und dennoch mit überraschend weichen Rissen in der Fassade. Die Chemie zwischen beiden lebt weniger von expliziter Nähe als von Blicken, Worten und dem Gefühl, dass zwischen ihnen etwas Unausweichliches wächst. Die Handlung selbst erinnert bewusst an eine magische Seifenoper, denn Familiengeheimnisse, Verrat, arrangierte Allianzen und moralische Grauzonen gehören hier zum Alltag. Das kann überwältigend wirken, macht aber auch den Reiz der Geschichte aus.
Keine schnelle Romantasy für zwischendurch, sondern ein atmosphärischer, emotionaler Ritt durch Traumwelten, dunkle Begierden und familiäre Abgründe mit langsamer Spannung, intensiver Stimmung, mythologischen Anklängen und komplexen Beziehungen.