Marine überredet ihren Mann Antoine, zum Besuch einer Adventsfeier in der Kathedrale. Alljährlich begeistert das gemeinsame Singen alter Weihnachtslieder die Einwohner von Aix-en-Provence und zieht viele Besucher an. Auch die Vertreter der Partnerstädte, die am Weihnachtsmarkt teilnehmen, unterstützen die Veranstaltung, die mit einem gemeinsamen Essen endet. Da auch Marines Mutter mit ihrem Chor die Feier begleitet, gibt es für Weihnachtsmuffel Antoine kein Entkommen. Tatsächlich gefällt ihm die Veranstaltung bis plötzlich der Moderator des Programms tot zusammenbricht. War es ein Herzinfarkt oder Mord, wie der Rechtsmediziner gegenüber Antoine andeutet?
In "Stille Nacht in Saint-Sauveur" lässt Mary L. Longworth ihre Ermittler Antoine und Marine bereits im 8. Fall ermitteln. Mich hat der charmante Provencekrimi gut unterhalten.
Der US-Amerikaner Cole Hainsby war ein zwar überaktiver, wenig sympathischer Mann, aber dass ihn deshalb jemand vergiftete, erscheint unwahrscheinlich. Untersuchungsrichter Antoine Verlaque und Commissaire Bruno Paulik fällt es schwer, ein Mordmotiv zu finden. Auch das verwendete Gift erweist sich als Sackgasse, da sogar ein Kind darauf Zugriff hat. Obwohl die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, kommt es zu einem weiteren Mordanschlag. Auf den beliebten Dompfarrer Père Fernand wird geschossen und er wird schwer verletzt. Derselbe Täter? Antoine und Bruno stehen vor einem Rätsel. Gut, dass sie Unterstützung von Marine bekommen.
In Frankreich haben die Untersuchungsrichter andere Aufgaben als in Deutschland. Als solcher arbeitet Antoine aktiv mit der Polizei zusammen. Ein französischer Untersuchungsrichter leitet die Ermittlungen und sammelt Beweise, um festzustellen, ob die Verdachtsmomente für eine Anklage ausreichen. Er ist befugt, Zeugen zu vernehmen, Beweise zu sichern und kann auch Ermittlungsverfahren anordnen.
Auch die Situation der Expats wird thematisiert, hoch qualifizierte Arbeitnehmer, die nur vorübergehend im Ausland, hier in Frankreich arbeiten und z. B. geeignete Privatschulen für ihre nicht französischsprachigen Kinder benötigen, die auch international gültige Abschlüsse anbieten.
Marine und Antoine sind glücklich in ihrer Ehe und verstehen sich blendend. Sie sind beide sympathisch, kultiviert und genießen ihr Leben. Auch der bodenständige Bruno Paulik ermittelt weiterhin als Kommissar mit dem Richter, während sich in dessen Vorzimmer eine Änderung ankündigt
Mary Lou Longworth hat ihre Reihe im Umfeld der Gutsituierten und meist Kultivierten angesiedelt. Sie punktet neben ihrem flüssigen, leicht lesbaren Schreibstil, mit französischem Savoir-vivre, kleinen historischen Exkursen und viel Lokalkolorit. Es ist stets spürbar, dass die Kanadierin seit 1997 in Aix-en-Provence lebt und es genießt.
Auch ihren 8. Fall können Antoine, Bruno und Marine erfolgreich abschließen. Die Lösung hat mich überzeugt und lässt keine Fragen offen. Der Fall kommt mit wenig Gewalt aus, was ich schätze. Das Verhältnis zwischen Ermittlungsarbeit und Privatem finde ich gut ausgewogen. Bei den Verlaques kündigen sich private Veränderungen an und ich bin schon gespannt, wie vor allem Antoine, damit klarkommt.
Diese Reihe konnte mich erneut überzeugen und hat mich gut unterhalten. Nur ein paar kleine Schnitzer in der Übersetzung stören etwas. Ich hoffe, dass die beiden noch nicht übersetzen Bände bald in deutscher Sprache erscheinen. Wir sehen uns dann wieder in Aix-en-Provence!