"Der unsichtbare Vertrag" von Organisationsberater Thomas Rieder analysiert den dramatischen Wandel der Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Rieder stellt die These auf, dass der juristische Arbeitsvertrag heute das unwichtigste Papier im Personalbüro ist. Viel entscheidender ist der "Psychologische Vertrag" - die Summe der unausgesprochenen Erwartungen, Hoffnungen und Verpflichtungen, die beide Parteien eingehen.
Das Buch beleuchtet, warum dieser unsichtbare Vertrag in der post-pandemischen Welt massenhaft gebrochen wird. Früher galt: "Loyalität gegen Sicherheit". Heute, in Zeiten von Fachkräftemangel und Sinnsuche, fordern Arbeitnehmer "Flexibilität gegen Engagement". Rieder erklärt anhand von Fallstudien aus dem deutschen Mittelstand, warum Gehaltserhöhungen und Obstkörbe wirkungslos verpuffen, wenn der psychologische Vertrag verletzt wurde - etwa durch mangelnde Transparenz, gebrochene Home-Office-Versprechen oder fehlende Entwicklungsperspektiven.
Rieder bietet Führungskräften einen Werkzeugkasten, um diesen unsichtbaren Vertrag explizit zu machen. Er plädiert für "Erwartungsmanagement-Gespräche" statt klassischer Jahresreviews und zeigt, wie man eine Kultur schafft, in der Kündigungen nicht als Verrat, sondern als natürlicher Teil einer Karrierebiografie gesehen werden. Das Buch ist eine nüchterne Abrechnung mit veralteten Führungsstilen und ein Handbuch für eine ehrlichere Arbeitskultur, die auf Augenhöhe statt auf Hierarchie basiert.