Ein Sanatorium irgendwo in den Bergen. Hier kommen Menschen hin, um zu gesunden - oder um dem Leben auf elegante Weise zu entfliehen. Unter den Kurgästen befindet sich Gabriele Klöterjahn, eine zarte, schöne Frau mit einem kranken Herz, begleitet von ihrem robusten, lebenstüchtigen Gatten. Und dann ist da Detlev Spinell - Schriftsteller, Ästhet, ein Mann von zweifelhaftem Talent und unzweifelhafter Selbstverliebtheit, der in der Schönheit des Verfalls eine höhere Wahrheit zu erkennen glaubt. Zwischen Spinell und Gabriele entsteht eine Anziehung, die keine gewöhnliche Liebesgeschichte ist. Es ist die Begegnung zweier Welten: hier die bürgerliche Tüchtigkeit, das gesunde, laute Leben - dort die Sehnsucht nach Schönheit, Kunst und einem Tod, der vielleicht schöner ist als jedes Leben. Als Gabriele sich ans Klavier setzt und die Klänge von Wagners Tristan und Isolde den Raum erfüllen, ist es, als öffne sich ein Abgrund. Thomas Manns Novelle "Tristan" (1903) ist ein meisterhaftes, ironisch gebrochenes Spiel mit den großen Themen seines Werkes: Kunst und Leben, Schönheit und Verfall, Bürgerlichkeit und Bohème. Subtil, hintergründig und von schneidender Eleganz - ein kleines Juwel der deutschen Literatur.