Politik und Eros stehen seit Menschengedenken in einem zumeist fatalen Verhältnis zueinander. Nicht erst seit der griechischen Antike, sondern schon in Texten des Alten Testaments wird deutlich, dass von Macht einerseits erotische Anziehung ausgeht, sie selbst aber andererseits vom Begehren des Eros in besonderem Maße betroffen ist. Darüber hinaus zeigt die griechische Tragödie, inwiefern der Zustand eines Gemeinwesens von der in ihm herrschenden Zusammengehörigkeit der Familien abhängig ist. Wo diese Gemeinsamkeit durch Ehebruch oder andere Abweichungen vom Verhaltenskodex erschüttert wird, droht Chaos. Platon ist der erste Philosoph, der diese Erscheinung in der Politik thematisiert hat. Das haben große Platon-Ausleger wie Leo Strauss oder Seth Bernadete genau wahrgenommen. Alex Priou widmet sich in seiner aufmerksamen Auslegung des Symposion, dieses vermutlich literarischsten Dialogs Platons, der Rolle des Eros im Bezug auf die konkrete politische Situation Athens zur Zeit des Sokrates. Dabei erweist er sich in diesem Text, der sich ausdrücklich auch an ein nicht-akademischen Publikum wendet, als ein Autor, der in jener von Strauss ausgehenden großen Deutungstradition steht.