Die Malereien von Bettina Zimmermann eröffnen uns Natur und Landschaften als spannungsvollen Ort heimkehrender Sammlung im unheimlich Bergenden. Dieser Ort und sein künstlerischer Ausdruck dienen nicht als sentimentaler Rückzugsraum. Vielmehr kann diese Malerei uns Erfahrungen einer natürlichen Verbundenheit vermitteln Ahnungen unserer Ursprünge, die im Farbklang aufscheinen, im vibrierenden Blau des Wassers und Himmels, im goldenen Schilf, im dichten Grün und satten Braun der Ufer, Felder, Wiesen und Bäume. In solchem Einklang und Einstimmen, in der Resonanz dieser Verbundenheit kann uns deutlich werden, dass das Wohin unseres Immer nach Hause -Gehens nicht heißt, an einen bestimmten Ort zurückzukehren, sondern in jene elementare Zugehörigkeit zu einem umfassenderen Ganzen einzuwilligen, aus dem wir kommen.
Die Betrachtung der Wasser-Landschaften von Bettina Zimmermann lässt uns etwas von dieser Zugehörigkeit ahnen: nicht als Besitz, sondern als Resonanz. Wir sind Natur und zugleich von ihr getrennt. Diese Spannung trägt uns. Und in ihr liegt die Sehnsucht nach Heimkehr. Die hier versammelten Landschaftsmalereien erschöpften sich jedoch nicht im Ausdruck einer nostalgischen Sehnsucht. Sie spiegeln eher ein persönliches Empfinden der Malerin, ja eine existenzielle Erfahrung: die Erinnerung daran, dass wir Teil eines Zusammenhangs sind, der größer ist als wir selbst und unsere stets begrenzten Zwecke und Wege. Im Innewerden dieser Erinnerung öffnet sich uns aber zugleich der Horizont eines hohen Anspruchs: des An-Spruchs, sich als Mensch dessen bewusst zu sein und damit auch der damit einhergehenden Forderungen aus einem unser Selbst transzendierenden Bereich ein Anspruch, der zugleich erhöht und demütig macht.
Dass die Wohn- und Wirkungsstätte der Malerin Bettina Zimmermann in Landschaften situiert ist, die biographisch und geistig mit dem Namen Novalis verbunden sind, lässt eine Resonanz anklingen: Der romantische Gedanke einer verborgenen Einheit von Mensch und Natur, eines Zusammenklangs des Gefühls für das Selbst mit dem Gefühl der Zugehörigkeit zur Natur einer blauen Blume der Sehnsucht scheint bei ihr in zeitgenössischer Bildsprache fortzuklingen. Wenn Novalis sagt: Wohin gehen wir? Immer nach Hause , dann meint er kein Zuröck. Er meint eine Bewegung des Werdens und Unterwegsseins. Die hier versammelten Landschaftsmalereien laden nicht ein, irgendwohin zu fliehen. Sie laden ein, zu verweilen, zu sehen, um im Sehen so vielleicht einen Moment lang im schon immer Bergenden anzukommen.