Florian, vierzig, Astrophysiker, hat drei Tage Kongress in Wien hinter sich und den festen Vorsatz, den Abend mit einem Bier zu beenden. Dann setzt sich Jasmin neben ihn. Investmentbankerin, Frankfurterin, der Typ Frau, der Konferenzen leitet und nicht besucht. Innerhalb einer Stunde reden sie über Dunkle Materie und Portfoliobewertung, über das Licht toter Sterne und die Rendite menschlicher Nähe. Und über Fotos, die Jasmin sehen will, bevor sie weiß, dass es sie noch nicht gibt. Unter dem Vorwand eines Fotoshootings gehen sie auf sein Zimmer. Was als Spiel mit Licht und Schatten beginnt, wird schnell etwas anderes: ein Machtwechsel vor der Kamera, ein Ausziehen, das mehr freilegt als Haut, und eine Nacht, in der zwei Menschen, die beruflich Distanz perfektioniert haben, systematisch jede Grenze zwischen Beobachten und Erleben auflösen. Die Kamera ist Florians Schutzschild. Die Brille ist Jasmins. Im Lauf der Nacht zwingt sie ihn, die Kamera wegzulegen. Und er darf zusehen, wie sie ihre Brille ablegt, auf eine Weise, die beide verändert. Zwischen Champagner in der Badewanne und einem Gespräch auf dem Balkon um drei Uhr nachts, zwischen expliziter Körperlichkeit und überraschender Verletzlichkeit entfaltet sich eine Begegnung, die klüger ist als ein One-Night-Stand und ehrlicher als eine Beziehung. Sie reden über Narben und Neutronensterne, über zerstörte Fotos und die Frage, warum Menschen alles dokumentieren, was sie am meisten fürchten zu verlieren. Am nächsten Morgen nimmt Jasmin die Speicherkarte aus seiner Kamera. Sechzehn Gigabyte einer Nacht, die nur einmal stattfinden konnte. Ihre Begründung: Das Beste bleibt im Kopf. Wozu braucht es mehr? BELICHTUNGSZEIT - EIN WIENER MORGEN ist Literary Erotica für Erwachsene, die beim Sex nicht aufhören zu denken - und genau deshalb besser fühlen. Eine Novelle über das, was zwischen zwei Menschen passiert, wenn beide gleichzeitig die Kontrolle verlieren. Intelligent, explizit, und so melancholisch wie Wien im Oktober.