Wie immer stellt die Autorin ein Buch vor, in dem sie sich mit der Apartheid in Südafrika und den Folgen der Aufhebung derselben sowie den sich daraus ergebenden Problemen auseinandersetzt. Ihre Liebe zu diesem Land ist geradezu greifbar.
Eine junge Frau, bezeichnenderweise eine Journalistin, erfährt, dass ihr Vater einer der höchsten Apartheidsverbrecher war. Ihr fliegt sozusagen ihre eigene Biographie, zumindest die Basis derselben, nämlich die Familie um die Ohren. Auf einen Schlag erscheint ihre Vergangenheit als eine Lüge.
Natürlich geht es nicht ohne Herz-Schmerz dabei, eine Liebesgeschichte darf bei Stefanie Gercke nie fehlen.
Mich hätte weit mehr interessiert, wie eine junge Frau, Mitte dreißig, ohne Partner und ohne zarte neue-alte Liebe, einen solchen Crash bewältigt.
Die Geschichte ist wie immer schnell und wahnsinnig spannend geschrieben. Einmal mitten drin im Geschehen, mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Und wie immer bei der Autorin sind lebendige, farbige, ja duftende Bilder garantiert. Ihre detailgetreuen Beschreibungen lassen zahllose innere Bilder und Filme entstehen. Das ist große Erzählkunst!
Und dennoch fragte ich mich, ob diese Geschichte nicht doch zu überladen ist. Wie realistisch ist das Dargestellte?
Andererseits: Der Plot ist nachvollziehbar und die Frage berechtigt: Wie mag es sich für die Kinder der Verbrecher anfühlen und darstellen, wenn sie das dunkelste Familiengeheimnis zu Tage fördern? Wie mag das sein? Wie kann man damit umgehen?
Gute Frage? Und von Stefanie Gercke überaus spannend bearbeitet.Ob aber die Realität in Südafrika tatsächlich abgebildetet wird? Ich bin mir nicht sicher, war aber auch noch nie in diesem Land.
Die Geschichten der Autorin sind immer um Versöhnung bemüht und enden demnach auch immer auf allen Ebenen versöhnlich. Inzwischen nicht einmal mehr überraschend.
Interessant wäre sicherlich, auch einmal eine Familiengeschichte darzustellen, in der eine solche Versöhnung richtig viel Zeit braucht und nicht auf Anhieb oder vielleicht auch gar nicht zustande kommt, weil die Verletzungen einfach viel zu umfassend und zu tief sind. So etwas benötigt doch Zeit!
Nichtsdestotrotz ist dies ein nachdenkenswertes und lesenswertes Buch. Und spannend ohne Ende. Wie wird sich das Leben von Lisa jetzt verändern? Nach dieser enormen Erschütterung.